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- Der Hofmeister - 6/23 -


Läuffer. Haben Sie? In der That? Sie sind ein rechtes Muster des Mitleidens.

Gustchen. O Herr Hofmeister--

Läuffer. Wollen Sie heut Nachmittag Zeichenstunde halten?

Gustchen. (faßt ihn an die Hand) Liebster Herr Hofmeister! verzeihen Sie, daß ich sie gestern aussetzte. Es war mir wahrhaftig unmöglich zu zeichnen; ich hatte den Schnuppen auf eine erstaunende Art.

Läuffer. So werden Sie ihn wohl heute noch haben. Ich denke, wir hören ganz auf zu zeichnen. Es macht Ihnen kein Vergnügen länger.

Gustchen. (halbweinend) Wie können Sie das sagen, Herr Läuffer? Es ist das einzige, was ich mit Lust thue.

Läuffer. Oder Sie versparen es bis auf den Winter in die Stadt und nehmen einen Zeichenmeister. Ueberhaupt werd ich Ihren Herrn Vater bitten, den Gegenstand Ihres Abscheues, Ihres Hasses, Ihrer ganzen Grausamkeit von Ihnen zu entfernen. Ich sehe doch, daß es Ihnen auf die Länge unausstehlich wird, von mir Unterricht anzunehmen.

Gustchen. Herr Läuffer--

Läuffer. Lassen Sie mich--Ich muß sehen, wie ich das elende Leben zu Ende bringe, weil mir doch der Tod verboten ist--

Gustchen. Herr Läuffer--

Läuffer. Sie foltern mich.--(reißt sich loß und geht ab.)

Gustchen. Wie dauert er mich!

Dritte Scene.

Zu Halle in Sachsen. Pätus Zimmer. Fritz von Berg. Pätus (im Schlafrock an einem Tisch sitzend.)

Pätus. Ey was Berg! Du bist ja kein Kind mehr, daß du nach Papa und Mama--Pfuy Teufel! ich hab Dich allezeit für einen braven Kerl gehalten, wenn Du nicht mein Schulkamerad wärst: ich würde mich schämen mit Dir umzugehen.

Fritz. Pätus, auf meine Ehr, es ist nicht Heimweh, Du machst mich bis über die Ohren roth mit dem dummen Verdacht. Ich möchte gern Nachricht von Hause haben, das gesteh' ich, aber das hat seine Ursachen--

Pätus. Gustchen--Nicht wahr? Denk doch, Du arme Seele! Hundertachtzig Stunden von ihr entfernt--Was für Wälder und Ströme liegen nicht zwischen Euch? Aber warte, wir haben hier auch Mädchen; wenn ich nur besser besponnen wäre, ich wollte Dich heut in eine Gesellschaft führen--Ich weiß nicht, wie Du auch bist; ein Jahr in Halle und noch mit keinem Mädchen gesprochen: das muß melancholisch machen; es kann nicht anders seyn. Warte, Du must mir hier einziehen, daß Du lustig wirst. Was machst Du da bey dem Pfarrer? Das ist keine Stube für Dich--

Fritz. Was zahlst Du hier?

Pätus. Ich zahle--Wahrhaftig, Bruder, ich weiß es nicht. Es ist ein guter ehrlicher Philister, bey dem ich wohne: seine Frau ist freylich bisweilen ein bischen wunderlich, aber mags. Was gehts mich an? Wir zanken uns einmal herum und denn laß ich sie laufen: und die schreiben mir alles auf. Hausmiethe, Kaffee, Tabak; alles was ich verlange, und denn zahl' ich die Rechnung alle Jahre, wenn mein Wechsel kommt.

Fritz. Bist du jetzt viel schuldig?

Pätus. Ich habe die vorige Woche bezahlt. Das ist wahr, diesmal haben Sie mirs arg gemacht: mein ganzer Wechsel hat herhalten müssen bis auf den letzten Pfennig, und mein Rock, den ich Tags vorher versetzt hatte, weil ich in der äussersten Noth war, steht noch zu Gevattern. Weiß der Himmel, wenn ich ihn wieder einlösen kann.

Fritz. Und wie machst Dus denn itzt?

Pätus. Ich?--Ich bin krank. Heut morgen hat mich die Frau Räthin Hamster invitiren lassen, gleich kroch ich ins Bett ...

Fritz. Aber bey dem schönen Wetter immer zu Hause zu sitzen.

Pätus. Was macht das? des Abends geh ich im Schlafrock spatzieren, es ist ohnedem in den Hundstagen am Tage nicht auszuhalten--Aber Potz Mordio! Wo bleibt denn mein Kaffee? (pocht mit dem Fuß) Frau Blitzer!--Nun sollst Du sehn, wie ich meinen Leuten umspringe--Frau Blitzer! in aller Welt Frau Blitzer. (klingelt und pocht)--Ich habe sie kürzlich bezahlt: nun kann ich schon breiter thun--Frau ...

Frau Blitzer. (tritt herein mit einer Portion Kaffee.)

Pätus. In aller Welt, Mutter! wo bleibst Du denn? Das Wetter soll Dich regieren. Ich warte hier schon über eine Stunde--

Frau Blitzer. Was? Du nichtsnutziger Kerl, was lärmst Du? Bist Du schon wieder nichts nutz, abgeschabte Laus? Den Augenblick trag ich meinen Kaffee wieder herunter--

Pätus. (gießt sich ein) Nun, nun, nicht so böse Mutter! aber Zwieback--Wo ist denn Zwieback?

Frau Blitzer. Ja, kleine Steine Dir! Es ist kein Zwieback im Hause. Denk doch, ob so ein kahler lausichter Kerl nun alle Nachmittag Zwieback frißt oder nicht--

Pätus. Was tausend alle Welt! (stampft mit dem Fuß) Sie weiß, daß ich keinen Kaffee ohne Zwieback ins Maul nehme--Wofür gebe ich denn mein Geld aus--

Frau Blitzer. (langt ihm Zwieback aus der Schürze, wobey sie ihn an den Haaren zupft.) Da siehst Du, da ist Zwieback, Posaunenkerl! Er hat eine Stimme wie ein ganzes Regiment Soldaten. Nu, ist der Kaffee gut? Ist er nicht? Gleich sag mirs, oder ich reiß Ihm das letzte Haar aus Seinem kahlen Kopf heraus.

Pätus. (trinkt) Unvergleichlich--Aye!--Ich hab in meinem Leben keinen bessern getrunken.

Frau Blitzer. Siehst Du Hundejunge! Wenn Du die Mutter nicht hättest, die sich Deiner annähme und Dir zu essen und zu trinken gäbe, Du müstest an der Strasse verhungern. Sehen Sie ihn einmal an, Herr von Berg, wie er daher geht, keinen Rock auf dem Leibe und sein Schlafrock ist auch, als ob er darin wär aufgehenkt worden und wieder vom Galgen gefallen. Sie sind doch ein hübscher Herr, ich weiß nicht wie Sie mit dem Menschen umgehen können, nun freylich unter Landsleuten da ist immer so eine kleine Blutsverwandschaft, drum sag ich immer, wenn doch der Herr von Berg zu uns einlogiren thäte. Ich weiß, daß Sie viel Gewalt über ihn haben: da könnte doch noch was ordentliches aus ihm werden, aber sonst wahrhaftig-- (geht ab)

Pätus. Siehst Du, ist das nicht ein gut fidel Weib. Ich seh' ihr all etwas durch die Finger, aber potz, wenn ich auch einmal ernsthaft werde, kusch ist sie wie die Wand--Willst Du nicht eine Tasse mit trinken? (gießt ihm ein) Siehst Du, ich bin hier wohl bedient; ich zahle was rechts, das ist wahr, aber dafür hab' auch ich was ...

Fritz. (trinkt.) Der Kaffee schmeckt nach Gerste.

Pätus.


Der Hofmeister - 6/23

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