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- Die Soldaten - 3/13 -


Eisenhardt. Herr Major, es verdrießt mich, daß Sie immer die Pfaffen mit ins Spiel mengen, weil Sie mich dadurch verhindern, Ihnen freimütig zu antworten. Sie könnten denken, es mische sich persönliche Bitterkeit in meine Reden, und wenn ich in Feuer gerate, so schwöre ich Ihnen doch, daß es bloß die Sache ist, von der wir sprechen, nicht Ihre Spöttereien und Anzüglichkeiten über mein Amt. Das kann durch alle dergleichen witzige Einfälle weder verlieren noch gewinnen.

Haudy. Na, so reden Sie, reden Sie, schwatzen Sie, dafür sind wir ja da, wer verbietet es Ihnen?

Eisenhardt. Was Sie vorhin gesagt haben, war ein Gedanke, der eines Nero oder Oglei Oglu Seele würdig gewesen wäre, und auch da bei seiner ersten Erscheinung vielleicht Grausen würde verursacht haben. Eine Hure wird immer eine Hure. Kennen Sie das andere Geschlecht so genau?

Haudy. Herr, Sie werden es mich nicht kennen lehren.

Eisenhardt. Sie kennen es von den Meisterstücken Ihrer Kunst vielleicht; aber erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, eine Hure wird niemals eine Hure, wenn sie nicht dazu gemacht wird. Der Trieb ist in allen Menschen, aber jedes Frauenzimmer weiß, daß sie dem Triebe ihre ganze künftige Glückseligkeit zu danken hat, und wird sie die aufopfern, wenn man sie nicht drum betrügt?

Haudy. Red ich denn von honetten Mädchen?

Eisenhardt. Eben die honetten Mädchen müssen zittern vor Ihren Komödien, da lernen Sie die Kunst, sie malhonett zu machen.

Mary. Wer wird so schlecht denken.

Haudy. Der Herr hat auch ein verfluchtes Maul über die Officiers. Element, wenn mir ein anderer das sagte. Meint Er Herr denn, wir hören auf Honettehommes zu sein, sobald wir in Dienste treten.

Eisenhardt. Ich wünsche Ihnen viel Glück zu diesen Gesinnungen. Solang ich aber noch entretenierte Mätressen und unglückliche Bürgerstöchter sehen werde, kann ich meine Meinung nicht zurücknehmen.

Haudy. Das verdiente einen Nasenstüber.

Eisenhardt (steht auf). Herr, ich trag einen Degen.

Obrister. Major, ich bitt Euch--Herr Eisenhardt hat nicht unrecht, was wollt Ihr von ihm. Und der erste, der ihm zu nahe kommt--setzen Sie sich, Herr Pastor, er soll Ihnen Genugtuung geben. (Haudy geht hinaus.) Aber Sie gehen auch zu weit, Herr Eisenhardt, mit alledem. Es ist kein Officier, der nicht wissen sollte, was die Ehre von ihm fodert.

Eisenhardt. Wenn er Zeit genug hat, dran zu denken. Aber werden ihm nicht in den neuesten Komödien die gröbsten Verbrechen gegen die heiligsten Rechte der Väter und Familien unter so reizenden Farben vorgestellt, den giftigsten Handlungen so der Stachel genommen, daß ein Bösewicht dasteht, als ob er ganz neulich vom Himmel gefallen wäre. Sollte das nicht aufmuntern, sollte das nicht alles ersticken, was das Gewissen aus der Eltern Hause mitgebracht haben kann. Einen wachsamen Vater zu betrügen, oder ein unschuldig Mädchen in Lastern zu unterrichten, das sind die Preisaufgaben, die dort aufgelöst werden.

Haudy (im Vorhause mit andern Officiers: da die Tür aufgeht). Der verfluchte Schwarzrock-Obrister. Laßt uns ins Kaffeehaus gehn, Pfarrer, Sie sind mir die Revanche im Schach schuldig--und Adjutant! wollten Sie doch den Major Haudy für heut bitten, nicht aus seiner Stube zu gehen. Sagen Sie ihm, ich werde ihm morgen früh seinen Degen selber wiederbringen.

Fünfte Szene

In Lille. Wesener sitzt und speist zu Nacht mit seiner Frau und ältesten Tochter. Marie tritt ganz geputzt herein.

Marie (fällt ihn um den Hals). Ach Papa! Papa!

Wesener (mit vollem Munde). Was ist's, was fehlt dir?

Marie. Ich kann's Ihm nicht verhehlen, ich bin in der Komödie gewesen. Was das für Dings ist.

Wesener (rückt seinen Stuhl vom Tisch weg, und kehrt das Gesicht ab).

Marie. Wenn Er gesehen hätte, was ich gesehen habe, Er würde wahrhaftig nicht böse sein, Papa. (Setzt sich ihm auf den Schoß.) Lieber Papa, was das für Dings alles durcheinander ist, ich werde die Nacht nicht schlafen können für lauter Vergnügen. Der gute Herr Baron!

Wesener. Was, der Baron hat dich in die Komödie geführt?

Marie (etwas furchtsam). Ja, Papa--lieber Papa!

Wesener (stößt sie von seinem Schoß). Fort von mir, du Luder, --willst die Mätresse vom Baron werden?

Marie (mit dem Gesicht halb abgekehrt, halb weinend). Ich war bei der Weyhern--und da stunden wir an der Tür--(stotternd) und da red't' er uns an.

Wesener. Ja, lüg nur, lüg nur dem Teufel ein Ohr ab--geh mir aus den Augen, du gottlose Seele.

Charlotte. Das hätt' ich dem Papa wollen voraussagen, daß es so gehen würde. Sie haben immer Heimlichkeiten miteinander gehabt, sie und der Baron.

Marie (weinend). Willst du das Maul halten.

Charlotte. Denk doch, vor dir gewiß nicht; will noch kommandieren dazu, und führt sich so auf.

Marie. Nimm dich nur selber in acht mit deinem jungen Herrn Heidevogel. Wenn ich mich so schlecht aufführte, als du.

Wesener. Wollt ihr schweigen? (Zu Mariel.) Fort in deine Kammer, den Augenblick, du sollst heut nicht zu Nacht essen--schlechte Seele! (Marie geht fort.) Und schweig du auch nur, du wirst auch nicht engelrein sein. Meinst du, kein Mensch sieht's, warum der Herr Heidevogel so oft ins Haus kommt?

Charlotte. Das ist alles das Mariel schuld. (Weint.) Die gottsvergeßne Alleweltshure will honette Mädels in Blame bringen, weil sie so denkt.

Wesener (sehr laut). Halt's Maul! Marie hat ein viel zu edles Gemüt, als daß sie von dir reden sollte, aber du schalusierst auf deine eigene Schwester; weil du nicht so schön bist als sie, sollt'st du zum wenigsten besser denken. Schäm dich--(Zur Magd.) Nehmt ab, ich esse nichts mehr.

(Schiebt Teller und Serviette fort, wirft sich in einen Lehnstuhl, und bleibt in tiefen Gedanken sitzen.)

Sechste Szene

Mariens Zimmer. Sie sitzt auf ihrem Bette, hat die Zitternadel in der Hand, und spiegelt damit, in den tiefsten Träumereien. Der Vater tritt herein, sie fährt auf und sucht die Zitternadel zu verbergen.

Marie. Ach Herr Jesus--Wesener. Na, so mach Sie doch das Kind nicht. (Geht einigemal auf und ab, dann setzt er sich zu ihr.) Hör, Mariel! du weißt, ich bin dir gut, sei du nur recht aufrichtig gegen mich, es wird dein Schade nicht sein. Sag mir, hat dir der Baron was von der Liebe vorgesagt?

Marie (sehr geheimnisvoll). Papa!--er ist verliebt in mich, das ist wahr. Sieht Er einmal, diese Zitternadel hat er mir auch geschickt.

Wesener. Was tausend Hagelwetter--Potz Mord noch einmal, (nimmt ihr die Zitternadel weg) hab ich dir nicht verboten-Marie. Aber, Papa, ich kann doch so grob nicht sein, und es ihm abschlagen. Ich sag Ihm, er hat getan, wie wütend, als ich's nicht annehmen wollte, (läuft nach dem Schrank) hier sind auch Verse, die er auf mich gemacht hat.

(Reicht ihm ein Papier.)

Wesener (liest laut). Du höchster Gegenstand von meinen reinen Trieben. Ich bet dich an, ich will dich ewig lieben. Weil die Versicherung von meiner Lieb und Treu, Du allerschönstes Licht, mit jedem Morgen neu. Du allerschönstes Licht, ha, ha, ha.

Marie. Wart Er, ich will Ihm noch was weisen, er hat mir auch ein Herzchen geschenkt mit kleinen Steinen besetzt in einem Ring.

(Wieder zum Schrank. Der Vater besieht es gleichgültig.)

Wesener (liest noch einmal). Du höchster Gegenstand von meinen reinen Trieben. (Steckt die Verse in die Tasche.) Er denkt doch honett, seh ich. Hör aber, Mariel, was ich dir sage, du mußt kein Präsent mehr von ihm annehmen. Das gefällt mir nicht, daß er dir so viele Präsente macht.

Marie. Das ist sein gutes Herz, Papa.

Wesener. Und die Zitternadel gib mir her, die will ich ihm zurückgeben. Laß mich nur machen, ich weiß schon, was zu deinem Glück dient, ich hab länger in der Welt gelebt, als du, mein' Tochter, und du kannst nur immer allesfort mit ihm in die Komödie gehn, nur nimm jedesmal die Madam Weyher mit, und laß dir nur immer nichts davon merken, als ob ich davon wüßte, sondern sag nur, daß er's recht geheimhält, und daß ich sehr böse werden würde, wenn ich's erführe. Nur keine Präsente von ihm angenommen, Mädel, um Gottes willen!

Marie. Ich weiß wohl, daß der Papa mir nicht übel raten wird. (Küßt ihm die Hand.) Er soll sehn, daß ich Seinem Rat in allen Stücken folgen werde. Und ich werde Ihm alles wiedererzählen, darauf kann Er sich verlassen.

Wesener. Na, so denn. (Küßt sie.) Kannst noch einmal gnädige Frau werden, närrisches Kind. Man kann nicht wissen, was einem manchmal


Die Soldaten - 3/13

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