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- Die Soldaten - 4/13 -


für ein Glück aufgehoben ist.

Marie. Aber, Papa, (etwas leise) was wird der arme Stolzius sagen?

Wesener. Du mußt darum den Stolzius nicht so gleich abschrecken, hör einmal.--Nu, ich will dir schon sagen, wie du den Brief an ihn einzurichten hast. Unterdessen schlaf Sie gesund, Meerkatze.

Marie (küßt ihm die Hand). Gute Nacht, Pappuschka! (Da er fort ist, tut sie einen tiefen Seufzer, und tritt ans Fenster, indem sie sich aufschnürt.) Das Herz ist mir so schwer. Ich glaube, es wird gewittern die Nacht. Wenn es einschlüge--(Sieht in die Höhe, die Hände über ihre offene Brust schlagend.) Gott! was hab ich denn Böses getan?--Stolzius--ich lieb dich ja noch--aber wenn ich nun mein Glück besser machen kann--und Papa selber mir den Rat gibt, (zieht die Gardine vor) trifft mich's, so trifft mich's, ich sterb nicht anders als gerne. (Löscht ihr Licht aus.)

Zweiter Akt

Erste Szene

In Armentieres. Haudy und Stolzius spazieren an der Lys.

Haudy. Er muß sich dadurch nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen, guter Freund! ich kenne den Desportes, er ist ein Spitzbube, der nichts sucht, als sich zu amÜsieren, er wird Ihm darum seine Braut nicht gleich abspenstig machen wollen.

Stolzius. Aber das Gerede, Herr Major! Stadt und Land ist voll davon. Ich kÖnnte mich den Augenblick ins Wasser stürzen, wenn ich dem Ding nachdenke.

Haudy (faßt ihn unteren Arm). Er muß sich das nicht so zu Herzen gehn lassen, zum Teufel! Man muß viel über sich reden lassen in der Welt. Ich bin Sein bester Freund, das kann Er versichert sein, und ich würd' es Ihm gewiß sagen, wenn Gefahr dabei wÄre. Aber es ist nichts, Er bildet sich das nur so ein, mach Er nur, daß die Hochzeit noch diesen Winter sein kann, solange wir noch hier in Garnison liegen, und macht Ihm der Desportes alsdenn die geringste Unruhe, so bin ich Sein Mann, es soll Blut kosten, das versichere ich Ihn. Unterdessen kehr Er sich ans Gerede nicht, Er weiß wohl, die Jungfern, die am bravsten sind, von denen wird das meiste dumme Zeug räsoniert, das ist ganz natürlich, daß sich die jungen Fats zu rächen suchen, die nicht haben ankommen können.

Zweite Szene

Das Kaffeehaus. Eisenhardt und Pirzel im Vordergrunde, auf einem Sofa und trinken Kaffee. Im Hintergrunde eine Gruppe Officiers schwatzend und lachend.

Eisenhardt (zu Pirzel). Es ist lächerlich, wie die Leute alle um den armen Stolzius herschwärmen, wie Fliegen um einen Honigkuchen. Der zupft ihn da, der stößt ihn hier, der geht mit ihm spazieren, der nimmt ihn mit ins Cabriolet, der spielt Billard mit ihm, wie Jagdhunde die Witterung haben. Und wie augenscheinlich sein Tuchhandel zugenommen hat, seitdem man weiß, daß er die schöne Jungfer heuraten wird, die neulich hier durchgegangen.

Pirzel (faßt ihn an die Hand mit viel Energie). Woher kommt's, Herr Pfarrer? Daß die Leute nicht denken. (Steht auf in einer sehr malerischen Stellung, halb nach der Gruppe zugekehrt.) Es ist ein vollkommenstes Wesen. Dieses vollkommenste Wesen kann ich entweder beleidigen, oder nicht beleidigen.

Einer aus der Gesellschaft (kehrt sich um). Nun fängt er schon wieder an?

Pirzel (sehr eifrig). Kann ich es beleidigen, (kehrt sich ganz gegen die Gesellschaft) so würde es aufhören, das Vollkommenste zu sein.

Ein andrer aus der Gesellschaft. Ja, ja, Pirzel, du hast recht, du hast ganz recht.

Pirzel (kehrt sich geschwind zum Feldprediger). Kann ich es nicht beleidigen--

(Faßt ihn an die Hand, und bleibt stockstill in tiefen Gedanken.)

Zwei, drei aus dem Haufen. Pirzel, zum Teufel! redest du mit uns?

Pirzel (kehrt sich sehr ernsthaft zu ihnen). Meine liebe Kameraden, ihr seid verehrungswürdige Geschöpfe Gottes, also kann ich euch nicht anders als respektieren und hochachten, ich bin auch ein Geschöpf Gottes, also müßt ihr mich gleichfalls in Ehren halten.

Einer. Das wollten wir dir auch raten.

Pirzel (kehrt sich wieder zum Pfarrer). Nun-Eisenhardt. Herr Hauptmann, ich bin in allen Stücken Ihrer Meinung. Nur war die Frage, wie es den Leuten in den Kopf gebracht werden könnte, vom armen Stolzius abzulassen, und nicht Eifersucht und Argwohn in zwei Herzen zu werfen, die vielleicht auf ewig einander glücklich gemacht haben würden.

Pirzel (der sich mittlerweile gesetzt hatte, steht wieder sehr hastig auf). Wie ich Ihnen die Ehre und das Vergnügen hatte zu sagen, Herr Pfarrer! das macht, weil die Leute nicht denken. Denken, denken, was der Mensch ist, das ist ja meine Rede. (Faßt ihn an die Hand.) Sehen Sie, das ist Ihre Hand, aber was ist das, Haut, Knochen, Erde, (klopft ihm auf den Puls) da, da steckt es, das ist nur die Scheide, da steckt der Degen drein, im Blut, im Blut--

(Sieht sich plötzlich herum, weil Lärm wird.)

(Haudy tritt herein mit großem Geschrei.)

Haudy. Leute, nun hab ich ihn, es ist der frömmste Herrgott von der Welt. (Brüllt entsetzlich.) Madam Roux! gleich lassen Sie Gläser schwenken, und machen uns guten Punsch zurecht. Er wird gleich hier sein, ich bitte euch, geht mir artig mit dem Menschen um.

Eisenhardt (blickt sich vor). Wer, Herr Major, wenn's erlaubt ist-Haudy (ohne ihn anzusehen). Nichts, ein guter Freund von mir.

(Die ganze Gesellschaft drängt sich um Haudy.)

Einer. Hast du ihn ausgefragt, wird die Hochzeit bald sein?

Haudy. Leute, ihr müßt mich schaffen lassen, sonst verderbt ihr mir den ganzen Handel. Er hat ein Zutrauen zu mir, sag ich euch, wie zum Propheten Daniel, und wenn einer von euch sich darein mengt, so ist alles verschissen. Er ist ohnedem eifersüchtig genug, das arme Herz; der Desportes macht ihm grausam zu schaffen, und ich hab ihn mit genauer Not gehalten, daß er nicht ins Wasser sprang. Mein Pfiff ist, ihm Zutrauen zu seinem Weibe beizubringen, er muß sie wohl kennen, daß sie keine von den sturmfesten ist. Das sei euch also zur Nachricht, daß ihr mir den Menschen nicht verderbt.

Rammler. Was willst du doch reden, ich kenn ihn besser als du, er hat eine feine Nase, das glaub du mir nur.

Haudy. Und du eine noch feinere, merk ich.

Rammler. Du meinst, das sei das Mittel, sich bei ihm einzuschmeicheln, wenn man ihm Gutes von seiner Braut sagt. Du irrst dich, ich kenn ihn besser, grad das Gegenteil. Er stellt sich, als ob er dir's glaubte, und schreibt es sich hinter die Ohren. Aber wenn man ihm seine Frau verdächtig macht, so glaubt er, daß wir's aufrichtig mit ihm meinen-Haudy. Mit deiner erhabenen Politik, Rotnase! Willst du dem Kerl den Kopf toll machen, meinst du, er hat nicht Grillen genug drin. Und wenn er sie sitzen läßt, oder sich aufhängt--so hast du's darnach. Nicht wahr, Herr Pfarrer, eines Menschen Leben ist doch kein Pfifferling?

Eisenhardt. Ich menge mich in Ihren Kriegsrat nicht.

Haudy. Sie müssen mir aber doch recht geben?

Pirzel. Meine werten Brüder und Kameraden, tut niemand Unrecht. Eines Menschen Leben ist ein Gut, das er sich nicht selber gegeben hat. Nun aber hat niemand ein Recht auf ein Gut, das ihm von einem andern ist gegeben worden. Unser Leben ist ein solches Gut-Haudy (faßt ihn an die Hand). Ja, Pirzel, du bist der bravste Mann, den ich kenne, (setzt sich zwischen ihn und den Pfarrer) aber der Jesuit (den Pfarr umarmend) der gern selber möchte Hahn im Korbe sein.

Rammler (setzt sich auf die andere Seite zum Pfarrer, und zischelt ihm in die Ohren). Herr Pfarrer, Sie sollen nur sehen, was ich dem Haudy für einen Streich spielen werde. (Stolzius tritt herein. Haudy springt auf.)

Haudy. Ach, mein Bester! kommen Sie, ich habe ein gut Glas Punsch für uns bestellen lassen, der Wind hat uns vorhin so durchgeweht.

(Führt ihn an einen Tisch.)

Stolzius (den Hut abziehend zu den übrigen). Meine Herren, Sie werden mir vergeben, daß ich so dreist bin, auf Ihr Kaffeehaus zu kommen, es ist auf Befehl des Herrn Major geschehen. (Alle ziehen die Hüte ab, sehr höflich, und schneiden Komplimenten. Rammler steht auf, und geht näher.)

Rammler. O gehorsamer Diener, es ist uns eine besondere Ehre.

Stolzius (rückt noch einmal den Hut, etwas kaltsinnig, und setzt sich zu Haudy). Es geht ein so scharfer Wind draußen, ich meine, wir werden Schnee bekommen.

Haudy (eine Pfeife stopfend). Ich glaub es auch.--Sie rauchen doch, Herr Stolzius?

Stolzius. Ein wenig!

Rammler. Ich weiß nicht, wo denn unser Punsch bleibt, Haudy, (steht auf) was die verdammte Roux so lange macht.

Haudy. Bekümmere dich um deine Sachen. (Brüllt mit einer erschrecklichen Stimme.) Madam Roux! Licht her--und unser Punsch, wo bleibt er?


Die Soldaten - 4/13

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