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- Die Soldaten - 5/13 -


Stolzius. O mein Herr Major, als ich Ihnen Ungelegenheit machen sollte, würd' es mir sehr von Herzen leid tun.

Haudy. Ganz. und gar nicht, lieber Freund, (präsentiert ihm die Pfeife) die Lysluft kann doch wahrhaftig der Gesundheit nicht gar zu zuträglich sein.

Rammler (setzt sich zu ihnen an den Tisch). Haben Sie neulich Nachrichten aus Lille gehabt. Wie befindet sich Ihre Jungfer Braut.

(Haudy macht ihm ein Paar fürchterliche Augen, er bleibt lächelnd sitzen.)

Stolzius (verlegen). Zu Ihren Diensten, mein Herr aber ich bitte gehorsamst um Verzeihung, ich weiß noch von keiner Braut, ich habe keine.

Rammler. Die Jungfer Wesener aus Lille, ist sie nicht Ihre Braut? Der Desportes hat es mir doch geschrieben, daß Sie verlobt wären.

Stolzius. Der Herr Desportes müßte es denn besser wissen, als ich.

Haudy (rauchend). Der Rammler schwatzt immer in die Welt hinein, ohne zu wissen, was er red't und was er will.

Einer aus dem Haufen. Ich versichere Ihnen, Herr Stolzius, Desportes ist ein ehrlicher Mann.

Stolzius. Daran habe ich ja gar nicht gezweifelt.

Haudy. Ihr Leute wißt viel vom Desportes. Wenn ihn ein Mensch kennen kann, so muß ich es doch wohl sein, er ist mir von seiner Mutter rekommandiert worden, als er ans Regiment kam, und hat nichts getan, ohne mich zu Rat zu ziehen. Aber ich versichere Ihnen, Herr Stolzius, daß Desportes ein Mensch ist, der Sentiment und Religion hat.

Rammler. Und wir sind Schulkameraden miteinander gewesen. Keinen blödern Menschen mit dem Frauenzimmer habe ich noch in meinem Leben gesehen.

Haudy. Das ist wahr, darin hat er recht. Er ist nicht imstande, ein Wort hervorzubringen, sobald ihn ein Frauenzimmer freundlich ansieht.

Rammler (mit einer pedantisch plumpen Verstellung). Ich glaube in der Tat--wo mir recht ist--ja es ist wahr, er korrespondiert noch mit ihr, ich habe den Tag seiner Abreise einen Brief gelesen, den er an eine Mademoiselle in Brüssel schrieb, in die er ganz zum Erstaunen verliebt war. Er wird sie wohl nun bald heuraten, denke ich.

Einer aus der Gesellschaft. Ich kann nur nicht begreifen, was er so lang in Lille macht.

Haudy. Wetter Element, wo bleibt unser Punsch denn--Madam Roux!!!

Rammler. In Lille? O das kann euch niemand erklären, als ich. Denn ich weiß um alle seine Geheimnisse. Aber es läßt sich nicht öffentlich sagen.

Haudy (verdrüßlich). So sag heraus, Narre! was hältst du hinter dem Berge.

Rammler (lächelnd). Ich kann euch nur so viel sagen, daß er eine Person dort erwartet, mit der er in der Stille fortreisen will.

Stolzius (steht auf und legt die Pfeile weg). Meine Herren, ich habe die Ehre mich Ihnen zu empfehlen.

Haudy (erschrocken). Was ist--wohin liebster Freund--wir werden den Augenblick bekommen.

Stolzius. Sie nehmen mir's nicht übel--mir ist den Moment etwas zugestoßen.

Haudy. Was denn?--Der Punsch wird Ihnen guttun, ich versichere Sie.

Stolzius. Daß ich mich nicht wohl befinde, lieber Herr Major. Sie werden mir verzeihen--erlauben Sie--aber ich kann keinen Augenblick länger hierbleiben, oder ich falle um-Haudy. Das ist die Rheinluft--oder war der Tabak zu stark?

Stolzius. Leben Sie wohl.

(Geht wankend ab.)

Haudy. Da haben wir's. Mit euch verfluchten Arschgesichtern!

Rammler. Ha, ha, ha, ha--(Besinnt sich eine Weile, herumgehend.) Ihr dummen Teufels, seht ihr denn nicht, daß ich das alles mit Fleiß angestellt habe--Herr Pfarrer, hab ich's Ihnen nicht gesagt?

Eisenhardt. Lassen Sie mich aus dem Spiel, ich bitte Sie.

Haudy. Du bist eine politische Gans, ich werde dir das Genick umdrehen.

Rammler. Und ich brech dir Arm und Bein entzwei, und werf sie zum Fenster hinaus. (Spaziert throsonisch umher.) Ihr kennt meine Finten noch nicht.

Haudy. Ja du steckst voll Finten, wie ein alter Pelz voll Läuse. Du bist ein Kerl zum Speien mit deiner Politik.

Rammler. Und ich pariere, daß ich dich und all euch Leute hier beim Stolzius in Sack stecke, wenn ich's darauf ansetze.

Haudy. Hör, Rammler! es ist nur schade, daß du ein bißchen zu viel Verstand bekommen hast, denn er macht sich selber zunicht, es geht dir, wie einer allzuvollen Bouteille, die man umkehrt, und doch kein Tropfen herausläuft, weil einer dem andern im Wege steht. Geh, geh, wenn ich eine Frau habe, geb ich dir die Erlaubnis, bei ihr zu schlafen, wenn du sie dahin bringen kannst.

Rammler (sehr schnell auf und ab gehend). Ihr sollt nur sehen, was ich aus dem Stolzius noch machen will.

(Ab.)

Haudy. Der Kerl macht einem das Gallenfieber mit seiner Dummheit. Er kann nichts als andern Leuten das Konzept verderben.

Einer. Das ist wahr, er mischt sich in alles.

Mary. Er hat den Kopf immer voll Intrigen und Ränken, und meint, andere Leute können ebensowenig darohne leben, als er. Letzt sagt' ich dem Reitz ins Ohr, er möcht' mir doch auf morgen seine Sporen leihen, ist er mir nicht den ganzen Tag nachgegangen, und hat mich um Gottes willen gebeten, ich möcht' ihm sagen, was wir vorhätten. Ich glaub, es ist ein Staatsmann an ihm verdorben.

Ein andrer. Neulich stellt' ich mich an ein Haus, einen Brief im Schatten zu lesen, er meinte gleich, es wär' ein Liebesbrief, der mir aus dem Hause wär' herabgeworfen worden, und ist die ganze Nacht bis um zwölf Uhr um das Haus herumgeschlichen. Ich dachte, ich sollte aufbersten für Lachen, es wohnt ein alter Jude von sechzig Jahren in dem Hause, und er hatte überall an die Straße Schildwachten ausgestellt, die mir auflauren sollten, und ihm ein Zeichen geben, wenn ich hereinginge. Ich habe einem von den Kerls mit drei Livres das ganze Geheimnis abgekauft; ich dacht', ich sollte rasend werden.

Alle. Ha, ha, ha, und er meint', es sei ein hübsch Mädchen drin.

Mary. Hört einmal, wollt ihr einen Spaß haben, der echt ist, so wollen wir den Juden avertieren, es sei einer da, der Absichten auf sein Geld habe.

Haudy. Recht, recht, daß euch die Schwerenot, wollen wir gleich zu ihm gehen. Das soll uns eine Komödie geben, die ihresgleichen nicht hat. Und du, Mary, bring ihn nur immer mehr auf die Gedanken, daß da die schönste Frau in ganz Armentieres wohnt, und daß Gilbert dir anvertraut hat, er werde diese Nacht zu ihr gehn.

Dritte Szene

In Lille. Marie weinend auf einem Lehnstuhl, einen Brief in der Hand. Desportes tritt herein.

Desportes. Was fehlt Ihnen, mein goldnes Mariel, was haben Sie?

Marie (will den Brief in die Tasche stecken). Ach-Desportes. Ums Himmels willen, was ist das für ein Brief, der Ihnen Tränen verursachen kann?

Marie (etwas leiser). Sehen Sie nur, was mir der Mensch, der Stolzius, schreibt, recht als ob er ein Recht hätte, mich auszuschelten. (Weint wieder.)

Desportes (liest stille). Das ist ein impertinenter Esel. Aber sagen Sie mir, warum wechseln Sie Briefe mit solch einem Hundejungen?

Marie (trocknet sich die Augen). Ich will Ihnen nur sagen, Herr Baron, es ist, weil er angehalten hat um mich, und ich ihm schon so gut als halb versprochen bin.

Desportes. Er um Sie angehalten? Wie darf sich der Esel das unterstehen? Warten Sie, ich will ihm den Brief beantworten.

Marie. Ja, mein lieber Herr Baron! Und Sie können nicht glauben, was ich mit meinem Vater auszustehen habe, er liegt mir immer in den Ohren, ich soll mir mein Glück nicht verderben.

Desportes. Ihr Glück--mit solch einem Lümmel. Was denken Sie doch, liebstes Mariel, und was denkt Ihr Vater? Ich kenne ja des Menschen seine Umstände. Und kurz und gut, Sie sind für keinen Bürger gemacht.

Marie. Nein, Herr Baron, davon wird nichts, das sind nur leere Hoffnungen, mit denen Sie mich hintergehen. Ihre Familie wird das nimmermehr zugeben.

Desportes. Das ist meine Sorge. Haben Sie Feder und Dinte, ich will dem Lumpenhund seinen Brief beantworten, warten Sie einmal.

Marie. Nein, ich will selber schreiben.

(Setzt sich an den Tisch, und macht das Schreibzeug zurecht, er


Die Soldaten - 5/13

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