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- Die Soldaten - 6/13 -


stellt sich ihr hinter die Schulter.)

Desportes. So will ich Ihnen diktieren.

Marie. Das sollen Sie auch nicht.

(Schreibt..)

Desportes (liest ihr über die Schulter). Monsieur--Flegel setzen Sie dazu.

(Tunkt eine Feder ein und will dazu schreiben.)

Marie (beide Arme über den Brief ausbreitend). Herr Baron--

(Sie fangen an zu scheckern, sobald sie den Arm rückt, macht er Miene zu schreiben, nach vielem Lachen gibt sie ihm mit der nassen Feder eine große Schmarre übers Gesicht. Er läuft zum Spiegel, sich abzuwischen, sie schreibt fort.)

Desportes. Ich belaure Sie doch. (Er kommt näher, sie droht ihm mit der Feder, endlich steckt sie das Blatt in die Tasche, er will sie daran verhindern, sie ringen zusammen, Marie kützelt ihn, er macht ein erbärmliches Geschrei, bis er endlich halb atemlos auf den Lehnstuhl fällt.)

Wesener (tritt herein). Na, was gibt's--die Leute von der Straße werden bald hereinkommen.

Marie (erholt sich). Papa, denkt doch, was der grobe Flegel, der Stolzius, mit für einen Brief schreibt, er nennt mich Ungetreue! denk doch, als ob ich die Säue mit ihm gehütet hätte; aber ich will ihm antworten darauf, daß er sich nicht vermuten soll, der Grobian.

Wesener. Zeig mir her den Brief--ei sieh doch die Jungfer Zipfersaat--ich will ihn unten im Laden lesen.

(Ab.) (Jungfer Zipfersaat tritt herein.)

Marie (hier und da launigt herumknicksend). Jungfer Zipfersaat, hier hab ich die Ehre, dir einen Baron zu präsentieren, der sterblich verliebt in dich ist. Hier, Herr Baron, ist die Jungfer, von der wir so viel gesprochen haben, und in die Sie sich neulich in der Komödie so sterblich verschameriert haben.

Jungfer Zipfersaat (beschämt). Ich weiß nicht, wie du bist, Mariel.

Marie (einen tiefen Knicks). Jetzt können Sie Ihre Liebesdeklaration machen. (Läuft ab, die Kammertür hinter sich zuschlagend. Jungfer Zipfersaat ganz verlegen tritt ans Fenster. Desportes, der sie verächtlich angesehen, paßt auf Marien, die von Zeit zu Zeit die Kammertür ein wenig eröffnet. Endlich steckt sie den Kopf heraus: höhnisch.) Na, seid ihr bald fertig? (Desportes sucht sich zwischen die Tür einzuklemmen, Marie sticht ihn mit einer großen Stecknadel fort, er schreit und läuft plötzlich heraus, um durch eine andere Tür in jenes Zimmer zu kommen. Jungfer Zipfersaat geht ganz verdrüßlich fort, derweil das Geschrei und Gejauchz im Nebenzimmer fortwährt. Weseners alte Mutter kriecht durch die Stube, die Brille auf der Nase, setzt sich in eine Ecke des Fensters, und strickt und singt, oder krächzt vielmehr mit ihrer alten rauhen Stimme.)

Ein Mädele jung ein Würfel ist, Wohl auf den Tisch gelegen: Das kleine Rösel aus Hennegau Wird bald zu Gottes Tisch gehen.

(Zählt die Maschen ab.)

Was lächelst so froh mein liebes Kind,Dein Kreuz wird dir'n schon kommen.Wenn's heißt, das Rösel aus HennegauHab' nun einen Mann genommen.

O Kindlein mein, wie tut's mir so weh,Wie dir dein Äugelein lachen, Und wenn ich die tausend Tränelein seh,Die werden dein Bäckelein waschen.

(Indessen dauert das Geschecker im Nebenzimmer fort. Die alte Frau geht hinein, sie zu berufen.)

Dritter Akt

Erste Szene

In Armentieres. Des Juden Haus.

Rammler (mit einigen verkleideten Leuten, die er stellt. Zum letzten). Wenn jemand hineingeht, so huste--ich will mich unter die Treppe verstecken, daß ich ihm gleich nachschleichen kann.

(Verkriecht sich unter die Treppe.)

Aaron (sieht aus dem Fenster). Gad, was ein gewaltiger Camplat ist das unter meinem eignen Hause.

Mary (im Rocklor eingewickelt kommt die Gasse heran, bleibt unter des Juden Fenster stehen, und lÄßt ein subtiles Pfeifchen hÖren).

Aaron (leise herab). Sein Sie's, gnädiger Herr? (jener winkt.) Ich werde soglach aufmachen.

Mary (geht die Treppe hinauf. Einer hustet leise. Rammler schleicht ihm auf den Zehen nach, ohne daß der sich umsieht. Der Jude macht die TÜre auf, beide gehen hinein).

(Der Schauplatz verwandelt sich in das Zimmer des Juden. Es ist stockdunkel. Mary und Aaron flüstern sich in die Ohren. Rammler schleicht immer von weitem herum, weicht aber gleich zurück, sobald jene eine Bewegung machen.)

Mary. Er ist hier drinne.

Aaron. O wai mer!

Mary. Still nur, er soll Euch kein Leides tun, laßt mit Euch machen, was er will, und wenn er Euch auch knebelte, in einer Minute bin ich wieder bei Euch mit der Wache, es soll ihm übel genug bekommen. Legt Euch nur zu Bette.

Aaron. Wenn er mich aber ams Leben bringt, he?

Mary. Seid nur ohne Sorgen, ich bin im Augenblick wieder da. Er kann sonst nicht überführt werden. Die Wache steht hier unten schon parat, ich will sie nur hereinrufen. Legt Euch--

(Geht hinaus. Der Jude legt sich zu Bette. Rammler schleicht näher hinan.)

Aaron (klappt mit den Zähnen). Adonai! Adonai!

Rammler (vor sich). Ich glaube gar, es ist eine Jüdin. (Laut, indem er Marys Stimme nachzuahmen sucht.) Ach, mein Schätzgen, wie kalt ist es draußen.

Aaron (immer leiser). Adonai!

Rammler. Du kennst mich doch, ich bin dein Mann nicht, ich bin Mary. (Zieht sich Stiefel und Rock aus.) Ich glaube, wir werden noch Schnee bekommen, so kalt ist es.

(Mary mit einem großen Gefolge Officieren mit Laternen stürzen herein, und schlagen ein abscheulich Gelächter auf. Der Jude richtet sich erschrocken auf.)

Haudy. Bist du toll geworden, Rammler, willst du mit dem Juden Unzucht treiben?

Rammler (steht wie versteinert da. Endlich zieht er seinen Degen). Ich will euch in Kreuzmillionen Stücken zerhauen alle miteinander. (Läuft verwirrt heraus. Die andern lachen nur noch rasender.)

Aaron. Ich bin wäs Gad halb tot gewesen.

(Steht auf. Die andern laufen alle Rammler nach, der Jude folgt ihnen.)

Zweite Szene

Stolzius' Wohnung. Er sitzt mit verbundenem Kopf an einem Tisch, auf dem eine Lampe brennt, einen Brief in der Hand, seine Mutter neben ihm.

Mutter (die auf einmal sich ereifert). Willst du denn nicht schlafen gehen, du gottloser Mensch! So red doch, so sag, was dir fehlt, das Luder ist deiner nicht wert gewesen. Was grämst du dich, was wimmerst du um eine solche--Soldatenhure.

Stolzius (mit dem äußersten Unwillen vom Tisch sich aufrichtend). Mutter-Mutter. Was ist sie denn anders--du--und du auch, daß du dich an solche Menscher hängst.

Stolzius (faßt ihr beide Hände). Liebe Mutter, schimpft nicht auf sie, sie ist unschuldig, der Officier hat ihr den Kopf verrückt. Seht einmal, wie sie mir sonst geschrieben hat. Ich muß den Verstand verlieren darüber. Solch ein gutes Herz!

Mutter (steht auf und stampft mit dem Fuß). Solch ein Luder--Gleich zu Bett mit dir, ich befehl es dir. Was soll daraus werden, was soll da herauskommen. Ich will dir weisen, junger Herr, daß ich deine Mutter bin.

Stolzius (an seine Brust schlagend). Mariel--nein, sie ist es nicht mehr, sie ist nicht dieselbige mehr--(Springt auf.) Laßt mich-Mutter (weint). Wohin, du Gottsvergessener?

Stolzius. Ich will dem Teufel, der sie verkehrt hat (Fällt kraftlos auf die Bank, beide Hände in die Höhe.) O du sollst mir's bezahlen, du sollst mir's bezahlen. (Kalt.) Ein Tag ist wie der andere, was nicht heut kommt, kommt morgen, und was langsam kommt, kommt gut. Wie heißt's in dem Liede, Mutter, wenn ein Vögelein von einem Berge alle Jahr ein Körnlein wegtrüge, endlich würde es ihm doch gelingen.

Mutter. Ich glaube, du phantasierst schon, (greift ihm an den Puls)


Die Soldaten - 6/13

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