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- Turandot, Prinzessin von China - 10/20 -


tritt jetzt hervor). Wer von geringem Stand geboren ist, Dem steht es an, wie Zelima zu denken. Ein königliches Herz fühlt königlich. --Vergib mir! Zelima! Dir ist es nicht gegeben, An einer Fürstin Platz dich zu versetzen, Die sich so hoch wie unsre Königin Gestellt und jetzt, vor aller Menschen Augen, Im Divan so herunter steigen soll, Von einem schlechten Fremdling überwunden. Mit meinen Augen sah ich den Triumph, Den stolzen Hohn in aller Männer Blicken, Als er die Rätsel unsrer Königin, Als wären's Kinderfragen, spielend löste, Der überlegnen Einsicht stolz bewußt. O, in die Erde hätt' ich sinken mögen Vor Scham und Wuth--Ich liebe meine schöne Gebieterin; ihr Ruhm liegt mir am Herzen. --Sie, die dem ganzen Volk der Männer Hohn Gesprochen, dieses Mannes Frau!

Turandot. Erbittre mich Nicht mehr!

Zelima. Das große Unglück, Frau zu werden!

Adelma. Schweig. Zelima! Man will von dir nicht wissen, Wodurch ein edles Herz beleidigt wird. Ich kann nicht schmeicheln. Grausam wär' es, hier Zu schonen und die Wahrheit zu verhehlen. Ist es schon hart genug, daß wir den Mann, Den übermüthigen, zum Herrn uns geben, So liegt doch Trost darin, daß wir uns selbst Mit freier Wahl und Gunst an ihn verschenken, Und seine Großmuth fesselt seinen Stolz. Doch welches Loos trifft unsre Königin, Wie hat sie selbst sich ihr Geschick verschlimmert! Nicht ihrer freien Gunst und Zärtlichkeit, Sich selbst nur, seinem siegenden Verstand Wird sie der Stolze zu verdanken haben; Als seine Beute führt er sie davon-- Wird er sie achten, Großmuth an ihr üben, Die keine gegen ihn bewies, auf Tod Und Leben ihn um sie zu kämpfen zwang, Ihm nur als Preis des Sieges heimgefallen? Wird er bescheiden seines Rechtes brauchen, Das er nur seinem Recht verdankt?

Turandot (in der heftigsten Bewegung). Adelma, wisse! Find' ich die Namen nicht, mitten im Tempel Durchstoß' ich diese Brust mit einem Dolch.

Adelma. Faßt Muth, Gebieterin. Verzweifelt nicht! Kunst oder List muß uns das Räthsel lösen.

Zelima. Gut. Wenn Adelma mehr versteht, als ich, Und Euch so zugethan ist, wie sie sagt, So helfe sie und schaffe Rath.

Turandot. Adelma! Geliebte Freundin! Hilf mir, schaffe Rath! Ich kenn' ihn nicht, weiß nicht, woher er kommt; Wie kann ich sein Geschlecht und Namen wissen?

Adelma (nachsinnend). Laß sehn--Ich hab' es--hörte man ihn nicht Im Divan sagen, hier in dieser Stadt, In Peckin, lebe Jemand, der ihn kenne? Man muß nachspüren, muß die ganze Stadt Umkehren, weder Gold noch Schätze sparen--

Turandot. Nimm Gold und Edelsteine, spare nichts. Kein Schatz ist mir zu groß, nur, daß ich's wisse!

Zelima. An wen uns damit wenden? Wo uns Raths Erholen?--Und, gesetzt, wir fänden wirklich Auf diesem Wege seinen Stand und Namen, Wird es verborgen bleiben, daß Bestechung, Nicht ihre Kunst das Räthsel uns verrathen?

Adelma. Wird Zelima wohl der Verräther sein?

Zelima. Das geht zu weit--Spart Euer Gold, Prinzessin! Ich schwieg, ich hoffte Euer Herz zu rühren, Euch zu bewegen, diesen würdigsten Von allen Prinzen, den Ihr selbst nicht hasset, Freiwillig zu belohnen--Doch Ihr wollt es! So siege meine Pflicht und mein Gehorsam! --Wißt also! Meine Mutter Skirina War eben bei mir, war entzückt, zu hören, Daß dieser Prinz die Räthsel aufgelöst, Und von dem neuen Wettstreit noch nichts wissend, Verrieth sie mir in ihrer ersten Freude, Daß dieser Prinz in ihrem Haus geherbergt, Daß Hassan ihn, ihr Gatte, sehr wohl kenne, Wie seinen Herrn und lieben Freund ihn ehre. Ich fragte nun nach seinem Stand und Namen; Doch, dies sei noch ein Räthsel für sie selbst. Spricht sie, das Hassan standhaft ihr verberge; Doch hofft sie noch, es endlich zu ergründen. --Verdien' ich es nun noch, so zweifle meine Gebieterin an meiner Treu' und Liebe!

(Geht ab mit Empfindlichkeit.)

Turandot (ihr nacheilend). Bleib, Zelima! Bist du beleidigt?--Bleib! Vergib der Freundin!

Adelma (hält sie zurück). Lassen wir sie ziehen! Prinzessin, auf die Spur hat Zelima Geholfen; unsre Sache ist es nun, Mit Klugheit die Entdeckung zu verfolgen. Denn Thorheit war's, zu hoffen, daß uns Hassan Gutwillig das Geheimniß beichten werde, Nun er den ganzen Werth desselben kennt. Verschlagne List, ja, wenn die List nicht hilft, Gewalt muß das Geständniß ihm entreißen; Drum schnell--Kein Augenblick ist zu verlieren. Herbei mit diesem Hassan ins Serail, Eh' er gewarnt sich unserm Arm entzieht. Kommt! Wo sind Eure Sklaven?

Turandot (fällt ihr um den Hals). Wie du willst, Adelma! Freundin! Ich genehm'ge Alles. Nur daß der Fremde nicht den Sieg erhalte! (Geht ab.)

Adelma. Jetzt, Liebe, steh mir bei! Dich ruf' ich an, Du Mächtige, die Alles kann bezwingen! Laß mich entzückt der Sklaverei entspringen; Der Stolz der Feindin öffne mir die Bahn! Hilf die Verhaßte listig mir betrügen, Den Freund gewinnen und mein Herz vergnügen! (Geht ab.)

Dritter Auftritt.

Vorhalle des Palastes.

Kalaf und Barak kommen im Gespräch.

Kalaf. Wenn aber Niemand lebt in dieser Stadt, Der Kundschaft von mir hat, als du allein, Du treue Seele--Wenn mein väterliches Reich Viel hundert Meilen weit von hier entlegen Und schon acht Jahre lang verloren ist. --Indessen, weißt du, lebten wir verborgen, Und das Gerücht verbreitet unsern Tod-- Ach, Barak! Wer in Unglück fällt, verliert Sich leicht aus der Erinnerung der Menschen!

Barak. Nein, es war unbedacht gehandelt, Prinz. Vergebt mir. Der Unglückliche muß auch Unmöglichs fürchten. Gegen ihn erheben Die stummen Steine selber sich als Zeugen; Die Wand hat Ohren, Mauern sind Verräther. Ich kann, ich kann mich nicht zufrieden geben. Das Glück begünstigt Euch, das schönste Weib Gewinnt Ihr wider Hoffen und Erwarten, Gewinnt mit ihr ein großes Königreich, Und Eure weib'sche Zärtlichkeit raubt Euch Auf einmal Alles wieder!

Kalaf. Hättest du Ihr Leiden, ihren wilden Schmerz gesehn!

Barak. Auf Eurer Eltern Schmerz, die Ihr zu Berlas Trostlos verlassen, hättet Ihr, und nicht Auf eines Weibes Thränen achten sollen!

Kalaf. Schilt meine Liebe nicht! Ich wollt' ihr gerne Gefällig sein.--Vielleicht, daß meine Großmuth Sie rührt, daß Dankbarkeit in ihrem Herzen--

Barak. Im Herzen dieser Schlange Dankbarkeit? Das hoffet nie.

Kalaf. Entgehn kann sie mir nicht. Wie fände sie mein Räthsel aus? Du, Barak, Nicht wahr? Du hast mich nicht verrathen? Nicht? Vielleicht, daß du im Stillen deinem Weibe Vertraut hast, wer ich sei?

Barak. Ich? Keine Silbe. Barak weiß Euren Winken zu gehorchen; Doch weiß ich nicht, welch schwarze Ahnung mir Den Sinn umnachtet und das Herz beklemmt!

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Pantalon. Tartaglia und Brigella mit Soldaten.

Pantalon. Sieh, sieh! Da ist er ja! Potz Element, Wo steckt Ihr, Prinz? Was habt Ihr hier zu schaffen? (Den Barak mit den Augen musternd.)


Turandot, Prinzessin von China - 10/20

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