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- Turandot, Prinzessin von China - 2/20 -Durch tapfre That mein Schicksal zu verbessern. --Ich weiß nicht, welche Festlichkeit die Stadt Mit Fremden füllt, daß kein Karvanserai Mich aufnahm--Dort in jener schlechten Hütte Gab eine Frau aus gutem Herzen mir Herberge. Barak. Prinz, das ist mein Weib. Kalaf. Dein Weib? Preise dein Glück, daß es ein fühlend Herz Zur Gattin dir gegeben! (Er reicht ihm die Hand.) Jetzt leb' wohl. Ich geh' zur Stadt. Mich treibt's, die Festlichkeit Zu sehn, die so viel Menschen dort versammelt. Dann zeig' ich mich dem großen Khan und bitt' Ihn um die Gunst, in seinem Heer zu dienen. (Er will fort. Barak hält ihn zurück.) Barak. Bleibt, Prinz! Wo wollt Ihr hin? Mögt Ihr das Aug' An einem grausenvollen Schauspiel weiden? O, wisset, edler Prinz--Ihr kamt hieher Auf einen Schauplatz unerhörter Thaten. Kalaf. Wie so? Was meinst du? Barak. Wie? Ihr wißt es nicht, Daß Turandot, des Kaisers einz'ge Tochter, Das ganze Reich in Leid versenkt und Thränen? Kalaf. Ja, schon vorlängst im Karazanenland Hört' ich dergleichen--und die Rede ging, Es sei der Prinz des Königs Keicobad Auf eine seltsam jammervolle Art Zu Peckin umgekommen--Eben dies Hab' jenes Kriegesfeuer angeflammt, Das mit dem Falle seines Reichs geendigt. Doch Manches glaubt und schwatzt ein dummer Pöbel, Worüber der Verständ'ge lacht--Darum Sag' an, wie sich's verhält mit dieser Sache? Barak. Des Großkhans einz'ge Tochter, Turandot, Durch ihren Geist berühmt und ihre Schönheit, Die keines Malers Pinsel noch erreicht, Wie viele Bildnisse von ihr auch in der Welt Herumgehn, hegt so übermüth'gen Sinn, So großen Abscheu vor der Ehe Banden, Daß sich die größten Könige umsonst Um ihre Hand bemüht-- Kalaf. Das alte Märchen Vernahm ich schon am Hofe Keicobads Und lachte drob--Doch fahre weiter fort Barak. Es ist kein Märchen. Oft schon wollte sie Der Khan, als einz'ge Erbin seines Reichs, Mit Söhnen großer Könige vermählen. Stets widersetzte sich die stolze Tochter, Und, ach! zu blind ist seine Vaterliebe, Als daß er Zwang zu brauchen sich erkühnte. Viel schwere Kriege schon erregte sie Dem Vater, und obgleich noch immer Sieger In jedem Kampf, so ist er doch ein Greis Und unbeerbt wankt er dem Grabe zu. Drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich Zu ihr die strengen Worte: Störrig Kind! Entschließe dich einmal, dich zu vermählen, Wo nicht, so sinn' ein ander Mittel aus, Dem Reich die ew'gen Kriege zu ersparen; Denn ich bin alt; zu viele Kön'ge schon Hab' ich zu Feinden, die dein Stolz verschmähte. Drum nenne mir ein Mittel, wie ich mich Der wiederholten Werbungen erwehre, Und leb' hernach und stirb, wie dir's gefällt-- Erschüttert ward von diesem ernsten Wort Die Stolze, rang umsonst, sich loszuwinden; Die Kunst der Thränen und der Bitten Macht Erschöpfte sie, den Vater zu bewegen; Doch unerbittlich blieb der Khan--Zuletzt Verlangt sie von dem unglücksel'gen Vater, Verlangt--Hört, was die Furie verlangte! Kalaf. Ich hab's gehört. Das abgeschmackte Märchen Hab' ich schon oft belacht--Hör', ob ich's weiß! Sie fordert' ein Edict von ihrem Vater, Daß jedem Prinzen königlichen Stamms Vergönnt sein soll, um ihre Hand zu werben. Doch dieses sollte die Bedingung sein: Im öffentlichen Divan, vor dem Kaiser Und seinen Räthen allen, wollte sie Drei Räthsel ihm vorlegen. Löste sie Der Freier auf, so mög' er ihre Hand Und mit derselben Kron' und Reich empfangen. Löst er sie nicht, so soll der Kaiser sich Durch einen heil'gen Schwur auf seine Götter Verpflichten, den Unglücklichen enthaupten Zu lassen.--Sprich, ist's nicht so? Nun vollende Dein Märchen, wenn du's kannst vor langer Weile. Barak. Mein Märchen? Wollte Gott! Der Kaiser zwar Empört' sich erst dagegen; doch die Schlange Verstand es, bald mit Schmeichelbitten, bald Mit list'ger Redekunst das furchtbare Gesetz dem schwachen Alten zu entlocken. Was ist's denn auch? sprach sie mit arger List; Kein Prinz der Erde wird so thöricht sein, In solchem blut'gen Spiel sein Haupt zu wagen! Der Freier Schwarm zieht sich geschreckt zurück, Ich werd' in Frieden leben. Wagt es dennoch Ein Rasender, so ist's auf seine eigne Gefahr, und meinen Vater trifft kein Tadel, Wenn er ein heiliges Gesetz vollzieht!-- Beschworen ward das unnatürliche Gesetz und kund gemacht in allen Landen. (Da Kalaf den Kopf schüttelt.) --Ich wünschte, daß ich Märchen nur erzählte Und sagen dürfte. Alles war ein Traum! Kalaf. Weil du's erzählst, so glaub' ich das Gesetz. Doch sicher war kein Prinz wahnsinnig gnug, Sein Haupt daran zu setzen. Barak (zeigt nach dem Stadtthor). Sehet, Prinz! Die Köpfe alle, die dort auf den Thoren Zu sehen sind, gehörten Prinzen an, Die toll genug das Abenteuer wagten Und kläglich ihren Untergang drin fanden, Weil sie die Räthsel dieser Sphinx zu lösen Nicht fähig waren. Kalaf. Grausenvoller Anblick! Und lebt ein solcher Thor, der seinen Kopf Wagt, um ein Ungeheuer zu besitzen! Barak. Nein! Sagt das nicht. Wer nur ihr Konterfei Erblickt, das man sich zeigt in allen Ländern, Fühlt sich bewegt von solcher Zaubermacht, Daß er sich blind dem Tod entgegen stürzt, Das göttergleiche Urbild zu besitzen. Kalaf. Irgend ein Geck. Barak. Nein, wahrlich! Auch der Klügste. Heut ist der Zulauf hier, weil man den Prinzen Von Samarcanda, den verständigsten, Den je die Welt gesehn, enthaupten wird. Der Khan beseufzt die fürchterliche Pflicht; Doch ungerührt frohlockt die stolze Schöne. (Man hört in der Ferne den Schall von gedämpften Trommeln.) Hört! Hört Ihr! Dieser dumpfe Trommelklang Verkündet, daß der Todesstreich geschieht; Ihn nicht zu sehen, wich ich aus der Stadt. Kalaf. Barak, du sagst mir unerhörte Dinge. Was? Konnte die Natur ein weibliches Geschöpf wie diese Turandot erzeugen, So ganz an Liebe leer und Menschlichkeit? Barak. Mein Weib hat eine Tochter, die im Harem Als Sklavin dient und uns Unglaubliches Von ihrer schönen Königin berichtet. Ein Tiger ist sie, diese Turandot, Doch gegen Männer nur, die um sie werben. Sonst ist sie gütig gegen alle Welt; Stolz ist das einz'ge Laster, das sie schändet. Kalaf. Zur Hölle, in den tiefsten Schlund hinab Mit diesen Ungeheuern der Natur, Die kalt und herzlos nur sich selber lieben! Wär' ich ihr Vater, Flammen sollten sie Verzehren. Barak. Hier kommt Ismael, der Freund Des Prinzen, der sein Leben jetzt verloren. Er kommt voll Thränen--Ismael!
Zweiter Auftritt. Ismael zu den Vorigen.
Ismael (reicht dem Barak die Hand, heftig weinend). Er hat Gelebt--Der Streich des Todes ist gefallen. Ach! Warum fiel er nicht auf dieses Haupt! Barak. Barmherz'ger Himmel!--Doch warum ließt Ihr Geschehn, daß er im Divan der Gefahr Sich bloßgestellt? Ismael. Mein Unglück braucht noch Vorwurf. Gewarnt hab' ich, beschworen und gefleht, Wie es mein Herz, wie's meine Pflicht mich lehrte. Umsonst! Des Freundes Stimme wurde nicht Previous Page Next Page 1 2 3 4 5 6 7 10 20 |
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