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- Turandot, Prinzessin von China - 5/20 -
Truffaldin. Marsch ihr in eure Küche! Ich gehe, meine Hoheit herzuholen. (Gehen ab zu verschiedenen Seiten.)
Zweiter Auftritt. Ein Zug von Soldaten und Spielleuten. Darauf acht Doctoren, pedantisch herausstaffiert; alsdann Pantalon und Tartaglia, beide in Charaktermasken. Zuletzt der Großkhan Altoum in chinesischem Geschmack mit einiger Übertreibung gekleidet. Pantalon und Tartaglia stellen sich dem kaiserlichen Thron gegenüber, die acht Doctoren in den Hintergrund, das übrige Gefolge auf die Seite, wo der kaiserliche Thron ist. Beim Eintritt des Kaisers werfen sich alle mit ihren Stirnen auf die Erde und verharren in dieser Stellung bis er den Thron bestiegen hat. Die Doktoren nehmen auf ihren Stühlen Platz. Auf einen Wink, den Pantalon gibt, schweigt der Marsch.
Altoum. Wann, treue Diener, wird mein Jammer enden? Kaum ist der edle Prinz von Samarcand Begraben, unsre Thränen fließen noch, Und schon ein neues Todesopfer naht, Mein blutend Herz von neuem zu verwunden. Grausame Tochter! Mir zur Qual geboren! Was hilft's, daß ich den Augenblick verfluche, Da ich auf das barbarische Gesetz Dem furchtbaren Fohi den Schwur gethan. Nicht brechen darf ich meinen Schwur, nicht rühren Läßt sich die Tochter, nicht zu schrecken sind Die Freier! Nirgends Rath in meinem Unglück! Pantalon. Rath, Majestät? Hat sich da was zu rathen! Bei mir zu Hause, in der Christen Land, In meiner lieben Vaterstadt Venedig, Schwört man auf solche Mordgesetze nicht, Man weiß nichts von so närrischen Mandaten. Da hat man gar kein Beispiel und Exempel, Daß sich die Herrn in Bilderchen vergafft Und ihren Hals gewagt für ihre Mädchen. Kein Frauensmensch bei uns geboren wird, Wie Dame Kieselstein, die alle Männer Verschworen hätte--Gott soll uns bewahren! Das fiel uns auch im Traum nicht ein. Als ich Daheim noch war, in meinen jungen Jahren, Eh mich die Ehrensache, wie Ihr wißt, Von Hause trieb und meine guten Sterne An meines Kaisers Hof hieher geführt, Wo ich als Kanzler mich jetzt wohl befinde, Da wußt' ich nichts von China, als es sei Ein trefflichs Pulver gegen's kalte Fieber. Und jetzt erstaun' ich über alle Maßen, Daß ich so curiöse Bräuche hier Vorfinde, so curjose Schwüre und Gesetze Und so curjose Fraun und Herrn. Erzählt' ich in Europa diese Sachen, Sie würden mir unter die Nase lachen. Altoum. Tartaglia, habt Ihr den neuen Wagehals Besucht? Tartaglia. Ja, Majestät. Er hat den Flügel Des Kaiserschlosses inn', den man gewöhnlich Den fremden Prinzen anzuweisen pflegt. Ich bin entzückt von seiner angenehmen Gestalt und seinen prinzlichen Manieren. 's ist Jammerschade um das junge Blut, Daß man es auf die Schlachtbank führen soll. 's Herz bricht mir! Ein so angenehmes Prinzchen! Ich bin verliebt in ihn. Weiß Gott! Ich sah In meinem Leben keinen hübschern Buben! Altoum. Unseliges Gesetz! Verhaßter Schwur! --Die Opfer sind dem Fohi doch gebracht, Daß er dem Unglückseligen sein Licht Verleihe, diese Räthsel zu ergründen! Ach, nimmer geb' ich dieser Hoffnung Raum! Pantalon. An Opfern, Majestät, ward nichts gespart. Dreihundert fette Ochsen haben wir Dem Tien dargebracht, dreihundert Pferde Der Sonne und dem Mond dreihundert Schweine. Altoum. So ruft ihn denn vor unser Angesicht! (Ein Theil des Gefolges entfernt sich.) --Man such' ihm seinen Vorsatz auszureden. Und ihr, gelehrte Lichter meines Divans, Kommt mir zu Hilfe--nehmt das Wort für mich, Laßt' s nicht an Gründen fehlen, wenn mir selbst Der Schmerz die Zunge bindet. Pantalon. Majestät! Wir werden unsern alten Witz nicht sparen, Den wir in langen Jahren eingebracht. Was hilft's? Wir predigen und sprechen uns Die Lungen heiser, und er läßt sich eben Den Hals abstechen, wie ein wälsches Huhn. Tartaglia. Mit Eurer Gunst, Herr Kanzler Pantalon! Ich habe Scharfsinn und Verstand bei ihm Bemerkt, wer weiß!--Ich will nicht ganz verzagen. Pantalon. Die Räthsel dieser Schlange sollt' er lösen? Nein, nimmermehr!
Dritter Auftritt. Die Vorigen. Kalaf, von einer Wache begleitet. Er kniet vor dem Kaiser nieder, die Hand auf der Stirn.
Altoum (nachdem er ihn eine Zeit lang betrachtet). Steh auf, unkluger Jüngling! (Kalaf steht auf und stellt sich mit edelm Anstand in die Mitte des Divans.) --Die reizende Gestalt! Der edle Anstand! Wie mir's ans Herz greift!--Sprich, Unglücklicher! Wer bist du? Welches Land gab dir das Leben? Kalaf (schweigt einen Augenblick verlegen, dann mit einer edeln Verbeugung). Monarch, vergönne, daß ich meinen Namen Verschweige. Altoum. Wie? Mit welcher Stirn darfst du, Ein unbekannter Fremdling, namenlos, Um unsre kaiserliche Tochter werben? Kalaf. Ich bin von königlichem Blut, ein Prinz, geboren. Verhängt der Himmel meinen Tod, so soll Mein Name, mein Geschlecht, mein Vaterland Kund werden, eh' ich sterbe, daß die Welt Erfahre, nicht unwürdig hab' ich mich Des Bundes angemaßt mit deiner Tochter. Für jetzt geruhe meines Kaisers Gnade Mich unerkannt zu lassen. Altoum. Welcher Adel In seinen Worten! Wie beklag' ich ihn! --Doch wie, wenn du die Räthsel nun gelöst, Und nicht von würd'ger Herkunft-- Kalaf. Das Gesetz, Monarch, ist nur für Könige geschrieben. Verleihe mir der Himmel, daß ich siege, Und dann, wenn ich unköniglichen Stamms Erfunden werde, soll mein fallend Haupt Die Schuld der kühnen Anmaßung bezahlen, Und unbeerdigt liege mein Gebein, Der Krähen Beute und der wilden Thiere. Schon eine Seele lebt in dieser Stadt, Die meinen Stand und Namen kann bezeugen. Für jetzt geruhe meines Kaisers Gnade Mich unerkannt zu lassen. Altoum. Wohl! Es sei! Dem Adel deiner Mienen, deiner Worte, Holdsel'ger Jüngling, kann ich Glauben nicht, Gewährung nicht versagen--Mögst auch du Geneigt sein, einem Kaiser zu willfahren, Der hoch von seinem Thron herab dich fleht! Entweiche, o entweiche der Gefahr, Der du verblendet willst entgegen stürzen, Steh ab und fordre meines Reiches Hälfte! So mächtig spricht's für dich in meiner Brust, Daß ich dir gleichen Theil an meinem Thron Auch ohne meiner Tochter Hand verspreche. O, zwinge du mich nicht, Tyrann zu sein! Schon schwer genug drückt mich der Völker Fluch, Das Blut der Prinzen, die ich hingeopfert; Drum, wenn das eigne Unglück dich nicht rührt, Laß meines dich erbarmen! Spare mir Den Jammer, deine Leiche zu beweinen, Die Tochter zu verfluchen und mich selbst, Der die Verderbliche gezeugt, die Plage Der Welt, die bittre Quelle meiner Thränen! Kalaf. Beruhige dich, Sire! Der Himmel weiß, Wie ich im tiefsten Herzen dich beklage. Nicht, wahrlich, von so mildgesinntem Vater Hat Turandot Unmenschlichkeit geerbt. Du hast nicht Schuld, es wäre denn Verbrechen, Sein Kind zu lieben und das Götterbild, Das uns bezaubert und uns selbst entrückt, Der Welt geschenkt zu haben--Deine Großmuth Spar' einem Glücklicheren auf. Ich bin Nicht würdig, Sire, dein Reich mit dir zu theilen. Entweder ist's der Götter Schluß und Rath, Durch den Besitz der himmlischen Prinzessin Mich zu beglücken--oder enden soll Dies Leben, ohne sie mir eine Last! Tod oder Turandot! Es gibt kein Drittes. Pantalon. Ei, sagt mir, liebe Hoheit! Habt Ihr Euch Die Köpfe überm Stadtthor wohl besehn? Previous Page Next Page 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20 |
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