Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything

Bride.Ru

Books Menu

Home
Author Catalog
Title Catalog
Sectioned Catalog

 

- Venetianische Epigramme - 1/9 -


Johann Wolfgang Goethe

Venetianische Epigramme

1795

I-CIII Von Goethe veröffentliche Epigramme (Text der zweiten Cotta-Ausgabe der "Werke" von 1815)

CIV-CLIV Nachgelassene Epigramme (nach der Sophien-Ausgabe von 1914)

CLV-CLXXXI Entwürfe und Notizen (nach der Sophien-Ausgabe von 1914)

<>: die spitzen Klammern enthalten unsichere Lesarten und Konjekturen

I.

Sarkophagen und Urnen verzierte der Heide mit Leben. Faunen tanzen umher, mit der Bacchantinnen Chor Machen sie bunte Reihe; der ziegengefüßete Pausback Zwingt den heiseren Ton wild aus dem schmetternden Horn. Cymbeln, Trommeln erklingen; wir sehen und hören den Marmor. Flatternde Vögel! wie schmeckt herrlich dem Schnabel die Frucht! Euch verscheuchet kein Lärm, noch weniger scheucht er den Amor, Der in dem bunten Gewühl erst sich der Fackel erfreut. So überwältiget Fülle den Tod; und die Asche da drinnen Scheint, im stillen Bezirk, noch sich des Lebens zu freun. So umgebe denn spät den Sarkophagen des Dichters Diese Rolle, von ihm reichlich mit Leben geschmückt.

II.

Kaum an dem blaueren Himmel erblickt' ich die glänzende Sonne, Reich, vom Felsen herab, Epheu zu Kränzen geschmückt, Sah den emsigen Winzer die Rebe der Pappel verbinden, Ueber die Wiege Virgils kam mir ein laulicher Wind: Da gesellten die Musen sich gleich zum Freunde; wir pflogen Abgeriss'nes Gespräch, wie es den Wanderer freut.

III.

Immer halt' ich die Liebste begierig im Arme geschlossen, Immer drängt sich mein Herz fest an den Busen ihr an, Immer lehnt mein Haupt an ihren Knieen, ich blicke Nach dem lieblichen Mund, ihr nach den Augen hinauf. Weichling! schölte mich Einer, und so verbringst du die Tage? Ach, ich verbringe sie schlimm! Höre nur, wie mir geschieht: Leider wend' ich den Rücken der einzigen Freude des Lebens; Schon den zwanzigsten Tag schleppt mich der Wagen dahin. Vetturine trotzen mir nun, es schmeichelt der Kämm'rer, Und der Bediente vom Platz sinnet auf Lügen und Trug. Will ich ihnen entgehn, so faßt mich der Meister der Posten, Postillone sind Herrn, dann die Dogane dazu! "Ich verstehe dich nicht! du widersprichst dir! du schienest Paradiesisch zu ruhn, ganz, wie Rinaldo, beglückt." Ach! ich verstehe mich wohl: es ist mein Körper auf Reisen, Und es ruhet mein Geist stets der Geliebten im Schoß.

IV.

Das ist Italien, das ich verließ. Noch stäuben die Wege, Noch ist der Fremde geprellt, stell' er sich, wie er auch will. Deutsche Redlichkeit suchst du in allen Winkeln vergebens; Leben und Weben ist hier, aber nicht Ordnung und Zucht; Jeder sorgt nur für sich, mißtraut dem Andern, ist eitel, Und die Meister des Staats sorgen nur wieder für sich. Schön ist das Land; doch, ach! Faustinen find' ich nicht wieder. Das ist Italien nicht mehr, das ich mit Schmerzen verließ.

V.

In der Gondel lag ich gestreckt und fuhr durch die Schiffe, Die in dem großen Kanal, viele befrachtete, stehn. Mancherley Waare findest du da für manches Bedürfniß, Weizen, Wein und Gemüs, Scheite, wie leichtes Gesträuch. Pfeilschnell drangen wir durch; da traf ein verlorener Lorber Derb mir die Wangen. Ich rief: Daphne, verletzest du mich? Lohn erwartet' ich eher! Die Nymphe lispelte lächelnd: Dichter sünd'gen nicht schwer. Leist ist die Strafe. Nur zu!

VI.

Seh' ich den Pilgrim, so kann ich mich nie der Thränen enthalten. O, wie beseliget uns Menschen ein falscher Begriff!

VII.

Eine Liebe hatt' ich, sie war mir lieber als Alles! Aber ich hab' sie nicht mehr! Schweig', und ertrag' den Verlust!

VIII.

Diese Gondel verglich ich der sanft einschaukelnden Wiege, Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg. Recht so! Zwischen der Wieg' und dem Sarg wir schwanken und schweben Auf dem großen Kanal sorglos durch's Leben dahin.

IX.

Feyerlich sehn wir neben dem Doge den Nuncius gehen; Sie begraben den Herrn, einer versiegelt den Stein. Was der Doge sich denkt, ich weiß es nicht; aber der Andre Lächelt über den Ernst dieses Gepränges gewiß.

X.

Warum treibt sich das Volk so, und schreit? Es will sich ernähren, Kinder zeugen, und die nähren, so gut es vermag. Merke dir, Reisender, das, und thue zu Hause desgleichen! Weiter bringt es kein Mensch, stell' er sich, wie er auch will.

XI.

Wie sie klingeln, die Pfaffen! Wie angelegen sie's machen, Daß man komme, nur ja plappre, wie gestern so heut! Scheltet mir nicht die Pfaffen: sie kennen des Menschen Bedürfniß! Denn wie ist er beglückt, plappert er morgen wie heut!

XII.

Mache der Schwärmer sich Schüler, wie Sand am Meere - der Sand ist Sand, die Perle sey mein, du, o vernünftiger Freund!

XIII.

Süß den sprossenden Klee mit weichlichen Füßen im Frühling, Und die Wolle des Lamms tasten mit zärtlicher Hand; Süß voll Blüthen zu sehn die neulebendigen Zweige, Dann das grünende Laub locken mit sehnendem Blick. Aber süßer, mit Blumen dem Busen der Schäferinn schmeicheln; Und dies vielfache Glück läßt mich entbehren der May.

XIV.

Diesem Ambos vergleich' ich das Land, den Hammer dem Herrscher: Unter dem Volke das Blech, das in der Mitte sich krümmt. Wehe dem armen Blech! wenn nur willkürliche Schläge Ungewiß treffen, und nie fertig der Kessel erscheint.

XV.

Schüler macht sich der Schwärmer genug, und rühret die Menge, Wenn der vernünftige Mann einzelne Liebende zählt. Wunderthätige Bilder sind meist nur schlechte Gemählde: Werke des Geist's und der Kunst sind für den Pöbel nicht da.

XVI.

Mache zum Herrscher sich der, der seinen Vortheil verstehet: Doch wir wählten uns den, der sich auf unsern versteht.

XVII.

Noth lehrt beten, man sagt's; will einer es lernen, er gehe Nach Italien! Noth findet der Fremde gewiß.

XVIII.


Venetianische Epigramme - 1/9

    Next Page

  1    2    3    4    5    6    9 

Schulers Books Home



 Games Menu

Home
Balls
Battleship
Buzzy
Dice Poker
Memory
Mine
Peg
Poker
Tetris
Tic Tac Toe

Google
 
Web schulers.com
 

Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything