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- Venetianische Epigramme - 2/9 -Welch ein heftig Gedränge nach diesem Laden! Wie emsig Wägt man, empfängt man das Geld, reicht man die Waare dahin! Schnupftaback wird hier verkauft. Das heißt sich selber erkennen! Nieswurz holt sich das Volk, ohne Verordnung und Arzt.
XIX. Jeder Edle Venedigs kann Doge werden; das macht ihn Gleich als Knaben so fein, eigen, bedächtig und stolz. Darum sind die Oblaten so zart im katholischen Welschland; Denn aus demselbigen Teig weihet der Priester den Gott.
XX. Ruhig am Arsenal stehn zwey altgriechische Löwen; Klein wird neben dem Paar Pforte, wie Thurm und Kanal. Käme die Mutter der Götter herab, es schmiegten sich beyde Vor den Wagen, und sie freuete sich ihres Gespanns. Aber nun ruhen sie traurig; der neue geflügelte Kater Schnurrt überall, und ihn nennet Venedig Patron.
XXI. Emsig wallet der Pilger! Und wird er den Heiligen finden? Hören und sehen den Mann, welcher die Wunder gethan? Nein, es führte die Zeit ihn hinweg: du findest nur Reste, Seinen Schedel, ein Paar seiner Gebeine verwahrt. Pilgrime sind wir Alle, die wir Italien suchen; Nur ein zerstreutes Gebein ehren wir gläubig und froh.
XXII. Jupiter Pluvius, heut erscheinst du ein freundlicher Dämon; Denn ein vielfach Geschenk gibst du in Einem Moment: Gibst Venedig zu trinken, dem Lande grünendes Wachsthum; Manches kleine Gedicht gibst du dem Büchelchen hier.
XXIII. Gieße nur, tränke nur fort die rothbemäntelten Frösche, Wäss're das durstende Land, daß es uns Broccoli schickt. Nur durchwässer' mir nicht dies Büchlein; es sey mir ein Fläschchen Reinen Araks, und Punsch mache sich jeder nach Lust.
XXIV. Sanct Johannes im Koth heißt jene Kirche; Venedig Nenn' ich mit doppeltem Recht heute Sankt Markus im Koth.
XXV. Hast du Bajä gesehn, so kennst du das Meer und die Fische. Hier ist Venedig; du kennst nun auch den Pfuhl und den Frosch.
XXVI. Schläfst du noch immer? Nur still, und laß mich ruhen; erwach' ich, Nun, was soll ich denn hier? Breit ist das Bette, doch leer. Ist überall ja doch Sardinien, wo man allein schläft; Tibur, Freund, überall, wo dich die Liebliche weckt.
XXVII. Alle Neun, sie winkten mir oft, ich meine die Musen; Doch ich achtet' es nicht, hatte das Mädchen im Schoß. Nun verließ ich mein Liebchen; mich haben die Musen verlassen, Und ich schielte, verwirrt, suchte nach Messer und Strick. Doch von Göttern ist voll der Olymp; du kamst mich zu retten, Langeweile! du bist Mutter der Musen gegrüßt.
XXVIII. Welch ein Mädchen ich wünsche zu haben? Ihr fragt mich. Ich hab' sie, Wie ich sie wünsche, das heißt, dünkt mich, mit Wenigem Viel. An dem Meere ging ich, und suchte mir Muscheln. In einer Fand ich ein Perlchen; es bleibt nun mir am Herzen verwahrt.
XXIX. Vieles hab' ich versucht, gezeichnet, in Kupfer gestochen, Oel gemahlt, in Thon hab' ich auch Manches gedruckt, Unbeständig jedoch, und nichts gelernt noch geleistet; Nur ein einzig Talent bracht' ich der Meisterschaft nah: Deutsch zu schreiben. Und so verderb' ich unglücklicher Dichter In dem schlechtesten Stoff leider nun Leben und Kunst.
XXX. Schöne Kinder tragt ihr, und steht mit verdeckten Gesichtern, Bettelt: das heißt, mit Macht reden ans männliche Herz. Jeder wünscht sich ein Knäbchen, wie ihr das Dürftige zeiget, Und ein Liebchen, wie man's unter dem Schleyer sich denkt.
XXXI. Das ist dein eigenes Kind nicht, worauf du bettelst, und rührst mich; O, wie rührt mich erst die, die mir mein eigenes bringt!
XXXII. Warum leckst du dein Mäulchen, indem du mir eilig begegnest? Wohl, dein Züngelchen sagt mir, wie gesprächig es sey.
XXXIII. Sämmtliche Künste lernt und treibet der Deutsche; zu jeder Zeigt er ein schönes Talent, wenn er sie ernstlich ergreift. Eine Kunst nur treibt er, und will sie nicht lernen, die Dichtkunst. Darum pfuscht er auch so; Freunde, wir haben's erlebt.
XXXIV. a) Oft erklärt ihr euch als Freunde des Dichters, ihr Götter! Gebt ihm auch, was er bedarf! Mäßiges braucht er, doch viel: Erstlich freundliche Wohnung, dann leidlich zu essen, zu trinken Gut; der Deutsche versteht sich auf den Nektar, wie ihr. Dann geziemende Kleidung und Freunde, vertraulich zu schwatzen; Dann ein Liebchen des Nachts, das ihn von Herzen begehrt. Diese fünf natürlichen Dinge verlang' ich vor Allem. Gebet mir ferner dazu Sprachen, die alten und neu'n, Daß ich der Völker Gewerb' und ihre Geschichten vernehme; Gebt mir ein reines Gefühl, was sie in Künsten gethan. Ansehn gebt mir im Volke, verschafft bey Mächtigen Einfluß, Oder was sonst noch bequem unter den Menschen erscheint; Gut - schon dank' ich euch, Götter; ihr habt den glücklichsten Menschen Ehstens fertig: denn ihr gönntet das Meiste mir schon.
XXXIV. b) Klein ist unter den Fürsten Germaniens freylich der meine; Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er vermag. Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte Jeder; da wär's ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu seyn. Doch was priesest du Ihn, den Thaten und Werke verkünden? Und bestochen erschien deine Verehrung vielleicht; Denn mir hat er gegeben, was Große selten gewähren, Neigung, Muße, Vertraun, Felder und Garten und Haus. Niemand braucht' ich zu danken als ihm, und Manches bedurft' ich, Der ich mich auf den Erwerb schlecht, als ein Dichter, verstand. Hat mich Europa gelobt, was hat mir Europa gegeben? Nichts! Ich habe, wie schwer! meine Gedichte bezahlt. Deutschland ahmte mich nach, und Frankreich mochte mich lesen. England! freundlich empfingst du den zerrütteten Gast. Doch was fördert es mich, daß auch sogar der Chinese Mahlet, mit ängstlicher Hand, Werthern und Lotten auf Glas? Niemals frug ein Kaiser nach mir, es hat sich kein König Um mich bekümmert, und Er war mir August und Mäzen.
XXXV. Eines Menschen Leben, was ist's? Doch Tausende können Reden über den Mann, was er und wie er's gethan. Weniger ist ein Gedicht; doch können es Tausend genießen, Tausende tadeln. Mein Freund, lebe nur, dichte nur fort!
XXXVI. Müde war ich geworden, nur immer Gemählde zu sehen, Herrliche Schätze der Kunst, wie sie Venedig bewahrt. Denn auch dieser Genuß verlangt Erholung und Muße; Nach lebendigem Reiz suchte mein schmachtender Blick. Gauklerinn! da ersah ich in dir zu den Bübchen das Urbild. Wie sie Johannes Bellin reizend mit Flügeln gemahlt, Previous Page Next Page 1 2 3 4 5 6 7 9 |
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