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- Das hohe Ziel der Erkenntnis - 6/20 -


dieser Welt--du selbst!--Keine Zeit, kein Raum in sich; keine Zeit, kein Raum in Wahrheit. --Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der Dinge Eigenschaften, eigen Gewirktes--Wirklichkeit dieser Welt.-- Solches hast du klar erkannt, von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr abzuweichen... es sei denn, daß du--über dieses hinaus zu tieferer Einsicht gelangst.

*

In dir ist Zeit und Raum, du selbst schaffst Zeit und Raum, zu eigener Lust; trägst Zeit und Raum mit dir, wie du Leben und Welt mit dir trägst. Ewig ist Zeit, unendlich ist Raum--ewig unendlich Ich und Welt.

--Es ist das Atmen der Welt, die du lebst; Schöpfer-- Vernichter.

* * *

Und ferner, o Teurer! Noch hat niemand diesem, wovon wir reden, sein volles Recht strömen lassen, und nicht überliefert wurde mir diese Lehre; in mir selbst trat zutage, wuchs und erstarkte die Erkenntnis. Und schon einmal habe ich der Welt diese Lehre verkündet, als die Tochter des Vatschaknu vor dem Könige der Videha mich befragte; aber unverstanden von der Welt blieb diese Lehre: --"was zwischen Himmel und Erde ist, und oberhalb des Himmels und unterhalb der Erde, was sie Vergangenheit und Zukunft nennen--Raum und Zeit--o Gargi, ist eingewoben und verwoben in der Erscheinung Akasha".--Uraltes Wissen verkündige ich dir wieder: der erscheinenden Welt zeiträumliches Dasein.

*

Gegensatz und Zwillingspaar ist, was du Raum und Zeit nennst. Durch Ur-sprung ist Raum, durch Raum--Zeit; wie rechts durch links, wie oben durch unten, wie Vergangenheit durch Zukunft. Wie kein rechts ohne links, kein oben ohne unten, keine Vergangenheit ohne Zukunft, so kein Raum ohne Zeit, keine Zeit ohne Raum. Zeit ohne Raum wäre nirgend; Raum ohne Zeit wäre nie. Alles was im Raum ist, entsteht und vergeht in der Zeit; alles was in der Zeit ist, entsteht und vergeht im Raum. Zeit ist ewig überall, Raum ist überall ewig. Zeit und Raum bedingen einander. Zeit und Raum mißt sich aneinander: 'ein Zeitraum, eine Stunde Wegs, eine Spanne Zeit, ein Tagwerk Land, eine geraume Zeit.' Zeit und Raum ergänzen einander. Dem Nebeneinander des Raumes entspricht das Nacheinander der Zeit. Zeit und Raum treten für einander ein. Bewegter Raum wäre Zeit; ruhende Zeit wäre Raum. Ausgebreitete Zeit heißt Raum; dauernder Raum --Zeit. Zeit und Raum schafft einander; Zeit und Raum hebt einander auf--Gegensätze, die einander schaffend, einander aufheben. Gegensätze Zeit und Raurn sind gegen-Paare, halb-Teile eines Ganzen. Gegensatz in sich nennt Ich: Zeit, Gegensatz zu sich nennt Ich: Raum. Spaltung im Ich--Zeit; gespaltenes Ich--Raum. Gegensatz räumt--Gegensatz zeitigt.

*

Weder hat Zeit einen Anfang, noch ist Zeit ewig; weder hat Raum ein Ende, noch ist Raum unendlich--weder ist Zeit und Raum real, noch ist Zeit und Raum ideal;--Zeit und Raum ist Gedanke im verlangenden Ich. Zeit-Gegenwart ist ohne Dauer, also nicht Zeit; Raum-Punkt ist ohne Ausdehnung, also nicht Raum. Zeit-ewigkeit wird nicht aus Zeit, Raum-unendlichkeit wird nicht aus Raum, und wie Zeit-ur-teil keine Zeit ist, so ist Zeit-ewigkeit keine Zeit; wie Raum-ur-teil kein Raum ist, so ist Raum-unendlichkeit kein Raum. Zeit und Raum ist Gedanke im urteilend schaffenden Ich. Ich ist Zeit-einbildung, Ich ist Raum-vorstellung. Im Ich ist ewig Zeit; im Ich ist endlos Raum. Weil Ich selbst Zeit und Raum ist, darum ist Zeit immer, wann Ich ist; darum ist Raum immer, wo Ich ist; Zeit und Raum ewig unendlich, da Ich ist. 'Ewig' 'unendlich' aus dem Ich geschaffene, das Ich selbst bezeichnende Worte, Ich-ausdruck, nichts mehr. Ich ist Ausdehnung in sich zu ewiger Zeit--außer sich zu unendlichem Raum. Ich ist gegen-Wart zu Zeit und Raum. Ich-Atem, Ich-Bewegung, Ich-Ausdehnung, Ich-Wandel, Ich-Wirk-lichkeit ist Zeit und Raum. Wechselndes im Bleibenden, Beharrendes im Wechselnden: Ich.

Keine Zeit, kein Raum ohne Ich: einen Augenblick bewußtlos--eine Ewigkeit bewußtlos.

'In der 'Zeit' heißt vom Ich-bewußtsein als Zustand in sich unmittelbar umfaßt; 'im Raum' heißt mittelbar, vermittelst der Sinne erfaßt. Im Bereich des Ich-bewußtseins heißt Zeit, was darüber hinaus Raum heißt. Vom Ich empfunden--Zeit, vom Ich angeschaut--Raum; seelisch empfunden--Zeit, sinnlich angeschaut--Raum.

Bei gedankenlosem Hinschauen zwar erscheint Zeit und Raum verschieden, verschieden wie Tag und Nacht, wie Vergangenheit und Zukunft, unvereinbar, ewig voneinander getrennt. Ansicht--nicht Einsicht; Wahr-nehmung--nicht Wahrheit. Zeit und Raum sind nicht auseinanderzuhalten: --frage dich, o Teurer, durch welche Bestimmung könnten Zeit und Raum, beide an sich leer an Bestimmung, voneinander verschieden sein? Eines ist, was du in dir Zeit, was du außer dir Raum nennst--zwei Namen für das Selbe: atmendes Verlangen in dir. Sprich es unverstanden nach--mit vorschreitender Erkenntnis gelangst du zu vollem Verständnis.

*

Wie du, dich selber täuschend, den Raum über dir vom Raum unter dir unterscheidest, wie du, dich selber täuschend, Zeit vor dir von Zeit nach dir unterscheidest, so unterscheidest du, dich selber täuschend, Zeit in dir von Raum außer dir. Wie deine Gegenwart im Raum bestimmt, was du hier und was du dort nennst, wie deine Gegenwart in der Zeit bestimmt, was du als vorher und was du als nachher unterscheidest, so bestimmt deine Gegen-wart im Da-sein, was in dir zeitlich, was außer dir räumlich erscheint. Wie deine Gegenwart in Zeit und Raum die Teilung eines Ganzen bestimmt--ein willkürlich gewählter Scheidepunkt, der dir das Recht zu geben scheint, Gegenteiligkeit zu schaffen, ein rechts und ein links, ein oben und ein unten zu unterscheiden, ein vorher und ein nachher, so schafft dein Da-sein, deine Gegen-wart, dein Ich-Bewußtsein,--du selbst--Unterscheidung in einem ungeschiedenen Ganzen, macht dich in Zeit und Raum unterscheiden, was eines ist. Eines--scheinbare Zweiheit. In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, deine eigene Schöpfung die Unterscheidung Zeit und Raum.--Als Zeit empfindest du, was dein eigen, als Raum, was dir entfremdet. Entlassend schaffst du Raum, aufnehmend Zeit, was aus-wendig Raum ist, ist in-wendig Zeit. Dein eigener Widerschein im Ich-Gedanken nennt sich Bestand, Dauer, Wechsel, Zeit; deinen eigenen Widerschein im entlassenen Gedanken nennst du draußen, Gegenstand, Raum. Unterscheidung Zeit und Raum ist Unterscheidung: in dir--außer dir; ist Empfndung und nach außen Verlegung--Auslegung deines inne-Befindens; ist Ein-bildung: Zeit, und Widerspiegelung deiner Einbildung, Vor-stellung: Raum; Ich-zu-stand und Ich-gegen-stand-- Ausdruck deiner wechselnden Gesinnung, deiner Zuneigung und Abneigung, Anziehung und Abstoßung, Lust und Unlust, Liebe und Haß, Bejahung und Verneinung, Wille-wider-Wille im Verlangen--Abbild deiner selbst. Zeit und Raum sind nur andre Worte für Ich und du; Unterscheidung Zeit und Raum ist Unterscheidung Ich und Welt--Ausdruck des Zerfalls im Ursprung. Davon wird dir in weiterer Unterweisung volle Klarheit.

*

Besinne dich und du erkennst: ununterschieden in sich ist Zeit und Raum; eines, was du mit ent-zwei-enden Namen bezeichnest; wie rechts und links, wie oben und unten, wie hier und dort, wie jetzt und einst --willkürliche, in sich nichtige Unterscheidung in dir. Und wie du solches von dem Gegen-sinn 'rechts und links', von dem Gegen-sinn 'oben und unten' klar erkannt hast, so wird dir klare Erkenntnis auch vom scheinbaren Gegensinn Zeit und Raum. Aller Gegensatz, alle Einheit ist in dir. Zeit und Raum sind Gestaltung deines Willens; Zeit und Raum sind andre Worte für deinen Willen und für das, was wider deinen Willen-- wieder dein Wille ist;--Gestaltung deiner selbst! Eigene Lust dein Wandel; nach eigenem Gefallen wandelst du dich zu Zeit und Raum, wandelst Zeit zu Raum wie rechts zu links, wandelst Raum zu Zeit wie unten zu oben. Es ist so--sprich es unverstanden nach. Die die Welten voneinander hält, diese Brücke überschreite als ein Blinder. Aufleuchten wird einst in dir die Erkenntnis, aus welcher Tiefe solches fließt.

*

Ausgelöscht der Gegensinn von Zeit und Raum; auf Worten beruhend die erscheinende Verschiedenheit; ununterschieden an sich, weder das eine noeh das andre; dasselbe doppelt benannt, zwei Namen fur eines. Und gewiß: ist Zeit gleich Raum, so ist weder Zeit noch Raum. Was du Zeit und Raum nennst--in Gegenteile zerfallene, an sich nichtige Unterscheidung in dir--in Gegensinn auseinanderspaltendes Urteil, deine Willensgestaltung, Spiel deiner Seele, deine eigene Schöpfung--du selbst.

*

"Was du Zeit und Raum nennst, o Gârgî, ist eingewoben und verwoben in Akasha." Durch Raum und Zeit wird alles dieser Welt, was Leben heißt, was Tod genannt wird--ewiger Kreislauf--Geburt und Tod dieser Welt durch Raum-Zeit-Erscheinung: -- AKASHA -- dieser Welt Erscheinung--deines Verlangens sinnlicher wieder-Schein --dieser Welt wesenlose Erscheinung--Erscheinung des Wesens dieser Welt. Aufleuchten möge in dir die weltschöpferische Bedeutung des Wortes.

*

Darum ist gesagt: "auf Akasha geht diese Welt zurück"-- "Einklang von Seele und Leib." Darum ist gesagt: "Akasha--des Brahma Standort"--"Brahma leibhaftig geworden"--"deiner Seele Leib." "Darum soll man als dieser Welt Keim Akasha wissen." Sehend geworden erkennst du: --Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen-- --atma--

* * *

So, o Teurer, können wir Menschen, der Erscheinung nachdenkend, uns dieses vorstellen; der Erkenntnis ehernes Tor, verhüllte Wahrheit dem nicht Erkennenden--Upanishad.

*


Das hohe Ziel der Erkenntnis - 6/20

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