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- Die von denen Faunen gepeitschte Laster - 1/18 -


Die von denen Faunen gepeitschte Laster von Sidonia Hedwig Zäunemann

Auf einmahl reget sich der fast erstickte Trieb; Das, was ich sonst gescheut, gewinn ich jetzo lieb; Das, was ich bloß aus Furcht, es möchte nicht gelingen, Bißher zurück gesetzt, das will ich jetzo singen. Caliope! dein Rohr, dein sanftes Sayten=Spiel, Das mich bezaubert hielt, und Göttern wohlgefiel, Mag dort im Winkel ruhn: ein Satyr läßt sich spühren. Der soll an deiner statt mich auf den Pindus führen. Ihr Götter! die ihr sonst so graß und heßlich seyd; Vor deren Gegenwart das Frauen=Volck sich scheut, Und schüchtern lauft und flieht, als ob ein Mörder käme, Der ihnen mit Gewalt Kranz, Schmuck und Leben nähme. Ihr seyd jetzt meine Lust und liebstes Augenmerk. Hier habt ihr meine Hand, kommt! führt mich auf den Berg, Wo Phöbus und sein Volk im Lorbeer-Walde tanzen. Kommt! lasset mich durch euch mein Glück bey ihnen pflanzen. Sezt eure Füsse nett, und laßt mich heute sehn, Ob ihr so künstlich springt, wie ehemahls geschehn. Spielt nur so gut ihr könnt, auf Pfeiffen oder Flöthen. Ihr dürft, weil ihr schon roth, euch nicht dabey erröhten. Auf! macht mir eine Lust! und auch dem Musen=Fürst; Und singt der Welt zu Trutz, die schon die Zähne knirst.

Au! Weh! was seh ich dort? Mein Wahn hat nicht gelogen, Ein grau Gewitter kömmt mit Blitz und Knall gezogen. Die Luft verfinstert sich, die Sonne büßt den Schein, Die Erde den Gesang der Luft-Sirenen ein. Das Vieh lauft hin und her, es schreyt, es bebt, es zittert, Es suchet Zweig und Schutz, dieweils so grausam wittert. Die Erde bebt und kracht; die Berge wancken fast, Und machen sich zum Fall mit ihrer Pracht gefaßt. Die Donner rollen fort, und brüllen aus dermasen, Als wolten sie der Welt zum Untergange blasen. Nun borst die Wolk entzwey, und läßt auf einmahl loß, Was sie mit harten Zwang bißher in ihren Schooß Und Leib getragen hat; wodurch es leyder! kommen, Daß Donner, Blitz und Furcht den Erdkreiß eingenommen. Was aber fällt denn wohl aus Wolk und Luft herab? Wie? ists ein güldner Thau den dorten Hammon gab? Sinds Fische, die sich hier in dieser Fluth bewegen? Es ist ja, wie mich dünkt kein schlecht, gemeiner Regen. Solls Ungeziefer seyn, das Feld und Wald vergift, Und Schaden und Verderb auf Berg und Wiesen stift?

So ists: jedoch weit mehr: es ist ein Menschen=Regen. Komm Pluto! komm und sieh! o welch ein schöner Seegen! Empfande Jupiter Angst, Schmerzen, Quaal und Noth, Als seine Stirn erhitzt, und als ein Feuer roth, Und aufgeblasen war, eh Pallas raus gesprungen; Was Wunder, wenn dieß Heer die Wolke so gedrungen, Und ihr so grosse Quaal und Unruh hat gemacht, Biß sie durch Knall und Blitz dieß Unheil fort gebracht. Wer muß ihr Anherr seyn? wie sind sie denn gestaltet? Wie der, so Phrygien bey güldner Zeit verwaltet. Nicht anders; Midas muß ihr Aelter=Vater seyn. An Ohren sieht mans ja; die Werke stimmen ein. Ein Volk, das an Verstand den schwachen Kindern gleichet. An Boßheit aber kaum dem Teufel selber weichet. Dieß Volk bedeckt die Welt; der Bart womit es prangt, Zeigt gnug, wie viel es schon an Kraft und Stärk erlangt. Ja Kräfte in der Faust; nicht aber im Gehirne, Mit Runzeln wächst zugleich die Boßheit in der Stirne.

Steig alter Midas! steig! aus deiner schwarzen Gruft, Hör! wie dein edles Volk so sehnlich nach dir ruft, Vernimm wie treu es dich auch nach dem Tode liebet, Und deinen weisen Spruch noch täglich von sich giebet. Sieh! wie sich dein Geschlecht so wunderbar vermehrt, Wie hoch es dich erhebt, wie sehr es dich verehrt. Dieß dein erhitztes Volk verbietet den Poeten, Daß sie auf ihren Rohr und nettgestimmten Flöthen Nichts singen, das nach Kunst und Sitten=Lehre schmeckt, Und wie Apollo dort der Götter Gunst erweckt. Die Warheit will man nicht in ihren Schriften dulden, Man straft und richtet sie ohn billiges Verschulden. O wundert euch mit mir! daß viel so sinnreich sind, Und in den Schöppen=Stuhl der Advocaten Wind Und ihren Spötter=Kiel, den Gegner zu beschimpfen, Die Fehler der Persohn, das Mund= und Nase=Rümpfen, Gang, Kleidung, Jugend=Lust, und was dergleichen mehr, Mit ganz gelassenen und fröhlichen Gehör, Und lächlender Gestalt so klug vertragen können. Sie leiden ohne Scheu daß zwey zusammen rennen; Und wenn auch der Client aus Wehmuth und Verdruß, Wohl zwanzig Bogen mehr als sonsten zahlen muß. Dieß ist noch nicht genug; es wundere sich ein jeder, Wenn das erhitzte Blut auf Schulen und Catheder Sich unbescheiden zankt, und von dem Hauptzweck geht, Aus Neid und Tadelsucht den Gegner beisend schmäht, So hört man munter zu, und läßt sich unbekümmert. Schreibt aber ein Poet, wie sich die Welt verschlimmert, Und wie das Laster wächst, so sieht man scheel darzu, Und läßt aus tollen Neid dem Dichter keine Ruh Ob Orthodoxen schon sich auf den Schau=Platz stellen, Und durch den scharfen Kiel die Feinde glücklich fällen, Wie mancher Philosoph, wie mancher Moralist, In dem ein reines Feuer, Verstand und Weißheit ist, Hat von der Sitten=Kunst satyrisch gnug geschrieben, Und dennoch sind sie stets in Ruh und Fried geblieben. In Prosa fluchet man der Sitten=Lehre nicht; Die arme Poesie wird ohn Verhör gericht. Ein Redner, ein Poet steht in gelehrten Orden, Und beyde sind schon längst zu Moralisten worden. Ein jeder ehrt und liebt die Regeln der Natur; Ein jeder folget ja der Tugend Licht und Spuhr, Und zeigt die Laster=Bahn, und sucht der Welt zu nützen. Allein der Dichter kan fast niemahls ruhig sitzen.

Zu dieser tollen Art und frecher Seltenheit, Giebt der belebte Reim wohl nicht Gelegenheit; Nein, sondern die Vernunft ist noch nicht ausgeheitert, Weil sich der Weißheit Licht in ihnen nicht erweitert, Weil sie die Tugend nie in ihrem Glanz erkannt; Weil sie die meiste Zeit auf Trug und List verwandt; Weil ihres Vaters Geist auf ihnen zweyfach lieget, Ich meine, Midas Sinn, der sie so hoch vergnüget; Ja seines Hauptes Schmuck, den sie zugleich geerbt, Hat dieses Volkes Geist verfinstert und verderbt. Da nun so Herz als Sinn und Ohr und Mund verdorben, Und Tugend und Vernunft in ihrer Brust erstorben, Was Wunder? daß dieß Volk Satyren haßt und scheut, Und deiner Sitten=Lehr mit Fluch und Grimme dräut. O! daß doch Knall und Blitz dieß Volck herab gesendet, Das Klugheit und Vernunft in Dichter=Schriften schändet!

Wo ist die alte Zeit, in der die Dichtungs=Kunst, Von grossen Königen, mit hoher Huld und Gunst Und Preiß belohnet ward? Die Tage sind verschwunden, Da man auch Dichter noch am Kayser=Tisch gefunden. Augustus blieb ein Held der alle Welt bezwang, Obgleich Virgilius an seiner Tafel sang. Ward auch die Majestät durch diese That verletzet? Weil er die Dichterkunst vor andern hoch geschätzet. Des Nero Grausamkeit löscht doch den Ruhm nicht aus, Daß er in seiner Brust ein würdig Musen=Haus Bey seinen Thron erbaut. O! käm die Zeit zurücke, Da Barbarossens Hof, so Gnaden=volle Blicke Den Dichtern zugewandt! die von der Helden Schweiß, Von ihren Löwen=Muth, Geschicklichkeit und Fleiß, Wenn sie vor Staat und Reich, so treu sie nur vermochten, Gerahten und gesorgt, mit Arm und Schwerd gefochten, Gesungen und erzehlt: damit die neue Welt Davon ein Beyspiel nähm, der kein Poet gefällt. Wo bleibt jetzt Carolus der Eilfte der Franzosen? Der selbst durch diese Kunst mit schönen Ehren=Rosen Die Dichter überstimmt. Alfondus Kron und Macht, Der England Seegen gab, erhebet ihre Pracht, Und singt und spielet selbst. Wär Carl (a) noch jetzt auf Erden, So würd auf seinem Wink manch Lied gesungen werden. Ihr nahmt der Dichter Glück und Preiß mit euch ins Grab. Bey eures Scepters Rest liegt unser Ehren=Stab Vergraben und verdeckt. O! könntet ihr erwachen, Und uns, wie Reich und Volk beglückt und herrlich machen! Wo sind die Damen hin die Barbaros gekannt, Die man mit Fug und Recht der Fürsten Zier genannt? Verehrte nicht ihr Ohr geschickte Helden Lieder? In welchen der Poet des Tapfern Herculs Brüder, (Die Prinzen, die im Feld ein blutges Leder=Kleid, Ein todt gehaunes Roß und Wahlstadt nicht gescheut; Die Fürsten, die ihr Volk mit Billigkeit regieret, Und mit Gerechtigkeit und Huld den Stab geführet,) Der Ewigkeit geweyht, zum Beyspiel vorgestellt, Und angepriesen hat. O! möchtet ihr die Welt Mit eurer dunkeln Gruft, ihr Damen! jetzt vertauschen, An manches Fürsten Hof und Prinzens Kammer lauschen! Ihr würdet Wunder sehn, wie man der Dichtkunst spott, Und ihr Gedächtniß fast aus Geist und Seele rott. Wo fragen Damen jetzt nach alter Prinzen Thaten, Ob auch ihr Regiment, und Feldzug wohl gerathen? Homerus Helden=Lied weicht jetzt dem schnöden Reim In dem Secundens Kiel der Liebe Honigseim Natürlich abgemahlt. Banisens Flucht und Lieben Ergötzt jetzt mehr als das, was Seneca geschrieben.

So giengs vor Zeiten nicht. Witz und Geschickligkeit War damahls wie man weiß, der Dame schönstes Kleid Und gröster Ehren=Schmuck; Tholusa läßt uns lesen, Wie edel ihr Verstand, und Urtheils=Kraft gewesen. Der Aquitaner Volk war, wie gesagt, auf Ehr Und Ruhm und Glanz bedacht; und suchte nichts so sehr, Als sich durch Tapferkeit und Weißheit aufzuschwingen, Und in die Ewigkeit vor andern einzudringen.

Die Alleredelsten und Grösten an Vernunft, Verbanden sich daher und schlossen eine Zunft, Worbey der Vorsatz war, die Thaten ihrer Helden In Liedern schöner Art der Ewigkeit zu melden. Wer sich von ihren Volk auch sonst hervor gethan; Wer im Turnier gesiegt und auf der Ehren=Bahn Den höchsten Preiß erkämpft; dem pflegten sie in Schriften Ein Denckmaal seines Ruhms auf gleiche Art zu stiften. Ja wer sich um das Reich und Volk verdient gemacht, Wer vor des Landes Ruh, der Bürger Wohl gewacht, Dem suchte ihre Hand in herrlichen Gedichten Ein köstlich Ehren=Maal und Lob=Lied aufzurichten. Ein jeder dieser Zunft versuchte voll Bemühn,


Die von denen Faunen gepeitschte Laster - 1/18

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