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- Der Kaufmann von Venedig - 1/21 -


Der Kaufmann von Venedig

William Shakespeare

Uebersetzt von August Wilhelm von Schlegel

Personen:

Der Doge von Venedig Prinz von Marokko und Prinz von Arragon, (Freier der Porzia) Antonio, (der Kaufmann von Venedig) Bassanio, (sein Freund) Solanio, Salarino und Graziano, (Freunde des Antonio) Lorenzo, (Liebhaber der Jessica) Shylock, (ein Jude) Tubal, (ein Jude, sein Freund) Lanzelot Gobbo, (Shylocks Diener) Der alte Gobbo, (Lanzelots Vater) Salerio, (ein Bote von Venedig) Leonardo, (Bassanios Diener) Balthasar und Stephano, (Porzias Diener) Porzia, (eine reiche Erbin) Nerissa, (ihre Begleiterin) Jessica, (Shylocks Tochter) Senatoren von Venedig, Beamte des Gerichtshofes, Gefangenwaerter, Bedienteund andres Gefolge

Die Szene ist teils zu Venedig, teils zu Belmont, Porzias Landsitz.

Erster Aufzug

Erste Szene

Venedig. Eine Strasse

(Antonio, Salarino und Solanio treten auf)

Antonio. Fuerwahr, ich weiss nicht, was mich traurig macht; Ich bin es satt; ihr sagt, das seid ihr auch. Doch wie ich dran kam, wie mir's angeweht, Von was fuer Stoff es ist, woraus erzeugt, Das soll ich erst erfahren. Und solchen Dummkopf macht aus mir die Schwermut, Ich kenne mit genauer Not mich selbst.

Salarino. Eur Sinn treibt auf dem Ozean umher, Wo Eure Galeonen, stolz besegelt, Wie Herrn und reiche Buerger auf der Flut, Als waeren sie das Schaugepraeng der See, Hinwegsehn ueber kleines Handelsvolk, Das sie begruesset, sich vor ihnen neigt, Wie sie vorbeiziehn mit gewebten Schwingen.

Solanio. Herr, glaubt mir, haett ich soviel auf dem Spiel, Das beste Teil von meinem Herzen waere Bei meiner Hoffnung auswaerts. Immer wuerd ich Gras pfluecken, um den Zug des Winds zu sehn; Nach Haefen, Reed' und Damm in Karten gucken, Und alles, was mich Unglueck fuerchten liess Fuer meine Ladungen, wuerd ohne Zweifel Mich traurig machen.

Salarino. Mein Hauch, der meine Suppe kuehlte, wuerde Mir Fieberschauer anwehn, daecht ich dran, Wieviel zur See ein starker Wind kann schaden. Ich koennte nicht die Sanduhr rinnen sehn, So daecht ich gleich an Seichten und an Baenke, Saeh meinen "reichen Hans" im Sande fest, Das Haupt bis unter seine Rippen neigend, Sein Grab zu kuessen. Ging ich in die Kirche Und saeh das heilige Gebaeu' von Stein, Sollt ich nicht gleich an schlimme Felsen denken, Die an das zarte Schiff nur ruehren duerfen, So streut es auf den Strom all sein Gewuerz Und huellt die wilde Flut in meine Seiden. Und kurz, jetzt eben dies Vermoegen noch, Nun gar keins mehr? Soll ich, daran zu denken, Gedanken haben und mir doch nicht denken, Dass solch ein Fall mich traurig machen wuerde? Doch sagt mir nichts; ich weiss, Antonio Ist traurig, weil er seines Handels denkt.

Antonio. Glaubt mir, das nicht; ich dank es meinem Glueck: Mein Vorschuss ist nicht (einem) Schiff vertraut, Noch (einem) Ort; noch haengt mein ganz Vermoegen Am Gluecke dieses gegenwaertgen Jahrs; Deswegen macht mein Handel mich nicht traurig.

Solanio. So seid Ihr denn verliebt?

Antonio. Pfui, pfui!

Solanio. Auch nicht verliebt? Gut denn, so seid Ihr traurig, Weil Ihr nicht lustig seid; Ihr koenntet eben Auch lachen, springen, sagen: Ihr seid lustig, Weil Ihr nicht traurig seid. Nun, beim zweikoepfgen Janus! Natur bringt wunderliche Kaeuz ans Licht: Der drueckt die Augen immer ein und lacht Wie 'n Starmatz ueber einen Dudelsack; Ein andrer von so saurem Angesicht, Dass er die Zaehne nicht zum Lachen wiese, Schwuer Nestor auch, der Spass sei lachenswert.

(Bassanio, Lorenzo und Graziano kommen.)

Hier kommt Bassanio, Euer edler Vetter, Graziano und Lorenzo; lebt nun wohl, Wir lassen Euch in besserer Gesellschaft.

Salarino. Ich waer geblieben, bis ich Euch erheitert; Nun kommen wertre Freunde mir zuvor.

Antonio. Sehr hoch steht Euer Wert in meiner Achtung; Ich nehm es so, dass Euch Geschaefte rufen Und Ihr den Anlass wahrnehmt, wegzugehn.

Salarino. Guten Morgen, liebe Herren!

Bassanio. Ihr lieben Herrn, wann lachen wir einmal? Ihr macht euch gar zu selten: muss das sein?

Salarino. Wir stehen Euch zu Diensten, wann's beliebt.

(Salarino und Solanio ab.)

Lorenzo. Da Ihr Antonio gefunden habt, Bassanio, wollen wir Euch nun verlassen. Doch bitt ich, denkt zur Mittagszeit daran, Wo wir uns treffen sollen.

Bassanio. Rechnet drauf.

Graziano. Ihr seht nicht wohl, Signor Antonio; Ihr macht Euch mit der Welt zuviel zu schaffen: Der kommt darum, der muehsam sie erkauft. Glaubt mir, Ihr habt Euch wunderbar veraendert.

Antonio. Mir gilt die Welt nur wie die Welt, Graziano; Ein Schauplatz, wo man eine Rolle spielt, Und mein' ist traurig.

Graziano. Lasst den Narrn mich spielen, Mit Lust und Lachen lasst die Runzeln kommen Und lasst die Brust von Wein mir lieber gluehn, Als haermendes Gestoehn das Herz mir kuehlen. Weswegen sollt ein Mann mit warmem Blut Dasitzen wie sein Grosspapa, gehaun In Alabaster? Schlafen, wenn er wacht? Und eine Gelbsucht an den Leib sich aergern? Antonio, ich will dir etwas sagen; Ich liebe dich, und Liebe spricht aus mir: Es gibt so Leute, deren Angesicht Sich ueberzieht gleich einem stehnden Sumpf, Und die ein eigensinnig Schweigen halten, Aus Absicht, sich in einen Schein zu kleiden Von Weisheit, Wuerdigkeit und tiefem Sinn; Als wenn man spraeche: Ich bin Herr Orakel; Tu ich den Mund auf, ruehr sich keine Maus. O mein Antonio, ich kenne deren, Die man deswegen bloss fuer Weise haelt, Weil sie nichts sagen; spraechen sie, sie braechten Die Ohren, die sie hoerten, in Verdammnis, Weil sie die Brueder Narren schelten wuerden. Ein andermal sag ich dir mehr hievon; Doch fische nicht mit so truebselgem Koeder Nach diesem Narren-Gruendling, diesem Schein. Komm, Freund Lorenzo!--Lebt so lange wohl, Ich schliesse meine Predigt nach der Mahlzeit.

Lorenzo. Gut, wir verlassen Euch bis Mittagszeit. Ich muss von diesen stummen Weisen sein, Denn Graziano laesst mich nie zum Wort.


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